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Merkblätter und Antragsformular für BAFA-Förderprogramm Wärmenetze 4.0 veröffentlicht

Aiko Müller-Buchzik, 09.10.2017
Das BAFA hat in den letzten Tagen September 2017 die Merkblätter und das Antragsformular für die Förderung einer Machbarkeitsstudie (Modul 1) im Rahmen des Modellvorhabens Wärmenetzsysteme 4.0 veröffentlicht[1]. Mit der Förderung wurde zum 01.7.2017 eine systemische Förderung im Bereich der Wärmeinfrastruktur eingeführt, mit der nicht nur Einzeltechnologien und -komponenten, sondern auch Gesamtsysteme gefördert werden.

Hintergrund

Mit dem Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0 sollen größere Modellvorhaben angereizt werden, die als Entwicklungsvorhaben eine Brücke zwischen der Energieforschung und der Praxis bilden und eine breitere Markteinführung von Wärmenetzsystemen 4.0 vorbereiten. Damit soll klimafreundliche Wärme mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien und Abwärme perspektivisch kostengünstig bereitgestellt werden.

Als Wärmenetze der vierten Generation gelten solche Netze, die Temperaturen von 20 bis 95 °C aufweisen. Sie weisen darüber hinaus weitere Vorteile auf:

  • sehr hohe Anteile an erneuerbaren Energie,

  • eingekoppelte Abwärme,
  • Einbindung saisonaler Großwärmespeicher,
  • Bereitstellung von Flexibilitätsoptionen für den Strommarkt und
  • die Ermöglichung von effizienten Quartierslösungen in der Wärme- und Kälteversorgung

Darüber hinaus senken diese die Wärmegestehungskosten deutlich, so dass diese wettbewerbsfähig werden. Die Entwicklung der Förderung "Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0" setzt einen Auftrag aus der Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) der Bundesregierung um, der dort als Maßnahme "Schaufenster Erneuerbare Energien in Niedertemperaturwärmenetzen" aufgenommen wurde.

Fördermodule

Im Rahmen der Förderung sind zwei Module aufgelegt:

  1. Modul 1: Mittels Zuschussförderung werden vorbereitende Machbarkeitsstudien gefördert. Diese sollen den Markt- teilnehmern erlauben, die Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Konzepts eines Wärmenetzsystems 4.0 gutachterlich zu prüfen und vorbereiten zu lassen.

  2. Modul 2: Förderung der Realisierung eines Wärmenetzsystems durch Neubau oder Transformation eines Netzes oder eines räumlich abgrenzbaren Teilbereichs eines bereits bestehenden Wärmenetzes mittels Investitionszuschüssen. Für Einzelkomponenten, die noch der industriellen Forschung zuzuordnen sind, wird eine erhöhte Zuschussförderung gewährt. Um die erforderlichen Kostensenkungen und eine hohe Anschlussquote an das Wärmenetzsystem zu erreichen, sollen Informationsmaßnahmen für die Anwohner sowie Kooperationen mit den lokalen und regionalen Fachhochschulen und Universitäten zur Kostensenkung zusätzlich angereizt und bezuschusst werden. Im Falle einer Transformation eines räumlich abgrenzbaren Teilbereichs eines bestehenden Wärmenetzes können nur die Kosten der Transformation für dieses Teilnetz in Ansatz gebracht werden.

Anforderungen

Ein Wärmenetzsystem 4.0 muss mindestens den folgenden Kriterien entsprechen:

  1. Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme an der jährlichen Wärmeeinspeisung von mindestens 50 %, maximal die Hälfte des Anteils darf durch Biomasse bereitgestellt werden und der im Antrag angegebene Anteil muss im Durch- schnitt über die Mindestnutzungsdauer von zehn Jahren gehalten werden; Höchstanteil von 10 % für fossile Energie an der jährlichen Wärmeeinspeisung, die nicht durch KWK-Anlagen eingespeist wird

  2. Wärme ist zu vergleichbaren oder geringeren Kosten zu liefern als konventionelle Wärmenetze auf Basis fossiler Wärmeerzeuger dies zum Zeitpunkt der Antragstellung tun; die Bewilligungsstelle wird dazu Referenzwerte festlegen
  3. Mindestens 100 Abnahmestellen (Netzanschlüsse) oder Mindestabnahme von 3 GWh pro Jahr; Ausnahmen sind u. a. bei Nachbarschafts- oder Quartierskonzepten möglich
  4. Niedrig temperierte Wärme- oder Kältenetzverbindungen mit 20 °C bis maximal 95 °C im Vorlauf
  5. Saisonale Großwärmespeicher, soweit nicht begründet dargelegt wird, dass der Einsatz unwirtschaftlich wäre; beim Einsatz von KWK-Anlagen für Flexibilisierung ausreichend dimensionierte Wärmespeicher
  6. Die angeschlossenen Stromverbraucher und -erzeuger weisen mindestens eine Schnittstelle für einen markt- oder netzdienlichen Betrieb ohne manuelle Eingriffe des Betreibers auf und sind auf eine Einbindung in ein intelligentes Stromnetz vorbereitet
  7. Der Anschluss der Kunden des Wärmenetzsystems über Hausübergabestationen wird effizient ausgestaltet; und das gesamte Wärmenetzsystem wird vollständig durch ein Online-Monitoring des Betreibers überwacht, mit dem sämtliche relevanten Daten zum Betrieb des Wärmenetzsystems 4.0 erfasst, gespeichert und auf Nachfrage der Bewilligungsstelle, den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beauftragten Evaluatoren, sowie dem vom BMWi unterstützten Forschungsnetzwerk Energie in Gebäuden und Quartieren, zur Verfügung gestellt werden; und die erfassten Daten zum Betrieb des Wärmenetzsystems 4.0 sowie die wesentlichen weiteren technischen Erkenntnisse des Vorhabens werden vom Betreiber jährlich in den ersten zehn Jahren des Betriebs in einer geeigneten Form verbreitet, die den Anforderungen des Artikels 25 Absatz 6 Buchstabe b Ziffer ii AGVO entspricht

Antragsberechtigte

Antragsberechtigt sind Unternehmen, kommunale Betriebe, kommunale Zweckverbände, eingetragene Vereine, sowie eingetragene Genossenschaften, sowie Konsortien. Ebenfalls antragsberechtigt sind Contractoren

Förderhöhe

Machbarkeitsstudien können mit bis zu 60 % bezuschusst werden, die maximale Fördersumme liegt bei 600.000 EUR je Förderung. Die Realisierung von Wärmenetzen kann mit bis zu 50 % der förderfähigen Kosten bezuschusst werden. Die maximale Förderhöhe liegt bei 15 Millionen EUR je Vorhaben. Darüber hinaus gibt es eine ergänzende Förderung von Informationsmaßnahmen zur Erzielung der erforderlichen Anschlussquote und Wirtschaftlichkeit sowie regionaler wissenschaftlicher Kooperationen zur Kostensenkung, wissenschaftlicher Begleitung und Kommunikation der Erkenntnisse vor Ort in der Region. Als Bewilligungsbehörder wurde das BAFA eingesetzt. Weitere Formalitäten werden derzeit noch erarbeitet.

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