Der ReNOB-Blog

Deutscher Industrie 4.0 Index 2017

Aiko Müller-Buchzik, 08.03.2018
Die Staufen AG hat den Deutschen Industrie 4.0 Index für 2017 veröffentlicht[1]. Die Studie zeigt, dass sich langsam etwas bewegt, aber in Summe bleibt festzuhalten, dass Deutschland weiterhin Gefahr läuft, durch Verweigerung der digitalen Transformation den Anschluss zu verlieren. Ein strategisches Vorgehen ist branchenübergreifend notwendig, um zumindest eine Chance auf Mitgestalten der Branchenzukunft zu ermöglichen.

Studienergebnis

Im Ergebnis der Umfrage ist die Digitalisierung gedanklich grundsätzlich in der deutschen Wirtschaft angekommen, zumindest geben über 90 % der Befragten an, dass ihr Unternehmen nicht an einer Veränderung vorbeikommen wird. Alleine die Umsetzung findet weiterhin erst bei einem gerignen Anteil (7% der Befragten) statt. Der Maschinen- und Anlagenbau zeigen sich als die Vorreiter der Umstellung und vor allem auch als diejenigen, die am meisten davon profitieren. Darauf weist zumindest die verstärkte Nachfrage nach digitalisierten Produkten hin, was dadurch gestützt wird, dass ca 55 % der Befragten angaben, vermehrt ihre Forschung & Entwicklung zu verändern und sich zumindest auf Industrie 4.0 vorbereiten.

Dennoch gilt laut Verfasser der Studie zu bedenken, dass die reine Konzentration auf eine Effizienzsteigerung bei den Produktionsprozessen auf Basis der Digitalisierung nicht zu vergessen ist, dass durch neue Dienstleistungen die Hersteller der Anlagen schnell vom Kunden entkoppelt werden könntenn. Dies sehen auch knapp 50 % der Befragten, die davon ausgehen, dass sich ihr Geschäft in Zukunft verändern wird - neue Produktideen sind also gefordert, um auch in Zukunft am Markt überstehen zu können.

Das Problem: Aktuell sehen Unternehmen ihre Konkurrenz hauptsächlich in Mitbewerbern aus der eigenen Branche und nicht in branchenfremden Unternehmen (90 % der Befragten). Am Beispiel des Carsharings zeigt sich, dass z. B. Autohersteller in Ihrem Absatz durch digital agierende Unternehmen begrenzt werden können. Des Weiteren werden die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht voll ausgeschöpft, woraus sich eine Unterschätzung der Dynamik von Digitalisierung ablesen lässt (25 % der Befragten).

Interessant und ein weiteres Zeichen für eine vielleicht nicht vollständig verstandene digitale Transformation ist die Tatsache, dass zwar ein Großteil der Unternehmen Instandhaltung und Wartung als wichtig ansehen um Kosten zu sparen. Allerdings wird noch zu selten ein Algorithmus für eine Früherkennung von Problemen eingesetzt. So bleibt es hauptsächlich bei regelmäßigen Tätigkeiten, welche unter Berücksichtigung der digitalen Möglichkeiten nicht effizient sind. 75 % der Befragten sehen in dieser, auch Predictive Maintenance genannten Methode, momentan keine geeignete Technik, da sie noch ausbaufähig sei und derzeit nur geringen Nutzen bietet.

Interpretation des Studienergebnisses

In Summe bleibt Digitalisierung mit mehr Ängsten versehen - Unternehmen setzen lieber auf traditionelle Vorgehensweisen. Diese sind bekannt und können gut umgesetzt werden. Vor allem aber junge dynamische Unternehmen, die sich auf die Möglichkeiten der Digitalisierung einlassen, können hier zu ungeahnter Konkurrenz werden, was kurzfristig auch eine Bedrohung für die Unternehmensexistenz darstellen kann. Spannend und auch bezeichnend ist die Predictive Maintenance - hier zeigt sich die Scheu, sich mit neuen Methoden auseinander zu setzen. Zum Einen sicherlich, weil es natürlich erst einmal Geld und Zeit kostet. Zum Anderen fehlen in der Breite aber auch ausreichend Praxisbeispiele, Berater mit Erfahrung und Berechnungen, anhand derer sich Nachweise für die Tauglichkeit ablesen lassen.

Herausforderung für Unternehmen

Aktuell ist es wichtig, dass sich Unternehmen darüber im Klaren sind, dass sich ihr Geschäft durch die Digitalisierung verändern wird bzw. positiv ausgedrückt, dass sie selbst ihr Geschäft mittels Digitalisierung verändern/erweitern können. Hierfür sollten Unternehmen beginnen in einem ersten Schritt branchenspezifisches Wissen rund um die Digitalisierung aufzubauen. Auch sollte Digitalisierung in Summe auf das eigene Geschäft hin untersucht werden, um mögliche (digitale) Konkurrenz zu definieren, woraus sich ggf. auch eigene neue Produkte entwickeln lassen. Es muss also eine regelmäßige Markt- / Megatrendanalyse durchgeführt werden. Damit verbunden können Weiterbildungsmaßnahmen oder die Neueinstellung von neuen Mitarbeitern einhergehen (Stichwort Fachkräftemangel). Jetzt ist aber noch Zeit. Mit jedem Tag wird der zeitliche Spielraum jedoch kleiner und damit steigt die Gefahr, dass ein Unternehmen kurzfristig etwas machen muss - und wenig Zeit ist selten ein guter Ratgeber. Regelmäßig eine kleine Zeit investieren bringt Unternehmen mehr Sicherheit, gut für die Zukunft gerüstet zu sein.

Für weitere Informationen Ihrer Möglichkeiten stehe ich Ihnen gerne mit einem persönlichen Gespräch zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihren Anruf.

Meine Kontaktdaten

Newsletter

Sie wünschen regelmäßige Informationen von mir zum Thema Nachhaltigkeit/Ressourceneffizienz? Dann melden Sie sich einfach beim ReNOB-Newsletter an.

Newsletter
Übersicht
Seitenanfang