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EU verabschiedet Kreislaufwirtschaftspaket

Aiko Müller-Buchzik, 06.07.2018
Die Mitglieder der europäischen Union haben sich Ende Mai 2018 gemeinsam zu einer Kreislaufwirtschaft verpflichtet. Hierzu wurde im EU-Parlament das EU-Kreislaufwirtschaftpaket beschlossen[1].

Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft bedeutet im Wesentlichen, dass es - sofern es zu 100 % funktioniert - keinen Abfall mehr gibt, der deponiert werden muss. Stattdessen sollen die Abfälle einer Wiederverwertung zufgeführt werden. Als Produktdesign hat sich hier der Begriff "cradle-to-cradle" etabliert. Das langfristige Ziel ist ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen. So soll ein Rohstoff möglichst nur einmal der Natur entnommen und nach seiner Nutzung anderweitig eingesetzt werden. Dies soll entweder durch Recycling (Down- oder Upcycling) geschehen.

Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket

Für eine Gesellschaft, die noch sehr stark auf Abfall ausgerichtet ist, ist die Implementierung einer 100 %-igen Kreislaufwirtschaft kein Vorgang, der kurzfristig funktioniert, da sich die Wirtschaft (und die Gesellschaft) in den letzten Jahrzehnten (Jahrhunderten) stückweise auf Abfall eingestellt hat und dementsprechend auch eine gewisse Zeit für eine Umgewöhnung benötigt. Sei es aus Bequemlichkeit oder fehlenden technischen Möglichkeiten wurde Müll auf Deponien gelagert und sich selbst überlassen. National wurden - wie zum Beispiel auch in Deutschland - nach und nach Gesetze zum Schutz der Natur etabliert, die darauf abzielten, dass von den Deponien keine Gefahren für die Natur ausgehen. Themen wie die thermische Vorbehandlung von Müll (TA Luft) oder Einwegpfand und auch der grüne Punkt sind Methoden / Versuche, das Müllaufkommen zu reduzieren und dafür mehr Materialien in einem Nutzungskreislauf einzusetzen, statt neue Rohmaterialien der Natur zu entnehmen.

Dieses grundsätzlich im Sinne einer Nachhaltigkeit positiv zu bezeichnende Vorgehen wurde in den letzten Jahren jedoch nicht von allen EU-Mitgliedsstaaten so umgesetzt. Jetzt haben sich die EU-Mitgliedsstaaten aber gemeinsam dazu verpflichtet, von einer abfallbasierten auf eine Kreislaufwirtschaft umzusteigen. Hierzu ist ein Maßnahmenkatalog erstellt worden. Einige wichtige Bestandteile sind:

  • Die maximale Deponierungsquote für Siedlungsabfall darf ab 2035 nur noch 10 Prozent betragen.

  • EU-weit müssen Bioabfälle ab 2024 getrennt gesammelt werden.
  • EU-weit müssen ab 2024 auch Textilien und als gefährlich eingestufte Haushaltsabfälle getrennt gesammelt werden.
  • Die Lebensmittelverschwendung soll bis 2030 um 25 %, bis 2030 um 50 % reduziert werden.
  • Bis 2025 sollen 65 % der Verpackungen und ab 2030 70 % recycelt werden.
  • Für Kunststoffverpackungen gilt eine Quote von 50 % bis 2025 und 55 % bis 2030.

Es lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob es nicht noch stärkere Ziele hätte geben können. Aus deutscher Sicht sind die Zahlen sicherlich nicht all zu groß (schaffen muss Deutschland die Ziele aber dennoch auch erstmal und das auch langfristig), für Europa ist der Schritt aber dennoch bemerkenswert, zumal es auch Länder in der EU gibt, die in manchen Bereiche praktisch noch keinerlei Recycling durchführen. So haben Österreich, Belgien, Dänemark, Deutschland, die Niederlande und Schweden im Jahr 2014 praktisch keinen Hausmüll auf Deponien abgelagert, während Zypern, Kroatien, Griechenland, Lettland und Malta noch mehr als drei Viertel ihrer Siedlungsabfälle auf diese Weise entsorgten.[2].

Bei aller Dringlichkeit ist das EU-Kreislaufwirtschaftspaket als ein erster, aber dennoch wichtiger Schritt zu sehen: Es geht endlich auch auf EU-Ebene los. Die Länder, die etwas hinterherhinken brauchen Unterstützung - die anderen Länder müssen weiter (beispielhaft) voranschreiten.

Herausforderungen für Unternehmen

Schon jetzt ist Recycling in Deutschland ein präsentes Thema. Verschiedene Gesetze regeln die Behandlung von Produkten nach Ihrer Verwendung. Dennoch liegt es auch im Interesse von Herstellern Ihre Produkte vermehrt recyclingfähig zu konstruieren. Wenn noch mehr bei der Konstruktion auf Recycling geschaut wird, so können nach Nutzung des Produktes wertvolle Sekundärrohstoffe zurückgewonnen werden. Da Sekundärrohstoffe immer nachhaltiger (und ggf. auch kostengünstiger) als Primärrohstoffe sind, ergeben sich auch aus wirtschaftlicher Sicht verschiedene Vorteile.

Hierfür bedarf es aber in letzter Konsequenz aber eines ganzheitlichen ökobilanziellen Ansatzes (cradle-to-grave) für das jeweilige Produkt und auf Basis dieser Bilanz müssen die Produkte dann im Sinne der Nachhaltigkeit konstruiert werden.

Cradle-to-Grave-Bilanz? Wenn Sie mehr hierzu und den Vorteilen aus einer solchen Betrachtung für Ihr Unternehmen erfahren möchten, dann stehe ich Ihnen für ein Gespräch gerne zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

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