Der ReNOB-Blog

ca. 600.000 Gründe für Ressourceneffizienz

Aiko Müller-Buchzik, 31.08.2017
Derzeit ist Wahlkampf in Deutschland und so langsam geht es in den Endspurt. Wie nicht anders zu erwarten, kommen jetzt auch mal markige Sprüche, die hier und da noch ein paar Stimmen bringen sollen. Ein Thema, was hier förmlich prädestiniert ist, ist die "Diesel-Affäre" der deutschen Autobauer. In Verbindung mit den Auswirkungen der Emissionen schallt immer mal wieder ein "Verbot von Verbrennungsmotoren" durch die Lande. Von einigen Parteien positiv gewertet/gefordert[1], von anderen eher kritisch gesehen[2] bringt die Diskussion einiges mit sich. Ungeachtet der gewählten Links als Beispiele, die nur die beiden Randpositionen verdeutlichen sollen, folgen im Nachgang zu dieser Einleitung ein paar Gedanken rund um Auswirkungen und Anforderungen für und an Unternehmen, die direkt mit einem Verbot zu tun hätten.

Verbot von Verbrennungsmotoren

Es mag die Stimmen vielleicht schon geben, bisher sind jedoch nicht viele zu finden. Wenn es um das Verbot von Verbrennungsmotoren geht - so wie es durch die Politik zumindest kommuniziert wird - dann fällt auf, dass hier pauschal etwas verboten werden soll (oder eben verhindert werden soll, verboten zu werden), was in seiner Undifferenziertheit fast schon peinlich ist. Grundsätzlich soll der Verbrennungsmotor verboten werden, also schauen wir uns an, was ein Verbrennungsmotor überhaupt ist.

Motor
Bei den Kollegen von Wikipedia findet sich folgende Definition[3]: "Ein Motor [ ... ] ist eine Maschine, die mechanische Arbeit verrichtet, indem sie eine Energieform, z. B. thermische, chemische oder elektrische Energie, in Bewegungsenergie umwandelt. In der Regel verfügen Motoren über eine Welle, die sie in Rotation versetzen und durch sie mechanische Vorrichtungen, wie Getriebe, antreiben. [ ... ]."

Verbrennung
Unter Verbrennung wird in Bezug auf einen Motor im Allgemeinen die Tatsache verstanden, dass ein Feststoff, eine Flüssigkeit oder ein Gas mittels einer Zündenergie mit Sauerstoff reagiert und der Brennstoff unter Umwandlung verbraucht wird. Ein Verbrennungsmotor ist also ein Motor, der mittels eines Brennstoffes eine mechanische Arbeit (=Bewegung) ermöglicht. Doch wo kann ein Verbrennungsmotor eingesetzt werden? Hier eine kurze (unvollständige) Auflistung:

  • Fahrzeuge (Auto, Zug, Schiff, Flugzeug),

  • Kompressoren,
  • Transport (über Riemenantriebe),
  • Rasenmäher (als praktisches, häusliches Beispiel)

Diese kurze Auflistung soll einem einzigen Zweck dienen, nämlich der Verdeutlichung einer Tatsache, die vielleicht auch einfach der politischen Tragweite geschuldet ist: Das Verbot eines Verbrennungsmotors wäre bei konsequenter Auslegung der Forderung nicht nur auf Fahrzeuge beschränkt und vor allem nicht nur auf die üblichen Kraftstoffe, die in PKW und LKW zum Einsatz kommen.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Egal wer ein Verbot von Verbrennungsmotoren fordert, sollte sich einer größeren Genauigkeit befleißigen, denn vor allem bei den Brennstoffen gibt es (ökologische) Alternativen, die den Zweck des geforderten Verbots ebenfalls erreichen würden (bei den Grünen heißt es emissionsfrei). Der (eventuell) ökobilanziell sinnvolle Wunsch hinter der Forderung sollte nicht pauschal erfolgen - hier wird von Seiten der Politik leider eine falsche Bilanzgrenze gezogen, und zwar eine so kleine, dass für die Wirtschaft ein großes Problem entstehen kann, nämlich die in den verschiedenen Medien umherkreisenden ca. 600.000 Arbeitsplätze. Es stellt sich also die Frage: Was nun?

Megatrends

Kommt das Verbot, kommt es nicht, kommt es ganz anders als gerade angedacht? Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes ist die Antwort auf diese Frage rudimentär und überlebenswichtig, denn das derzeitige Portfolio ist ggf. genau darauf ausgerichtet, dass es Verbrennungsmotoren und die damit verbundenen Produkte gibt. Veränderungen lassen sich meist nicht in so einem zeitlichen Rahmen umsetzen, wie die Politik dies wünscht. Hilft Druck von außen, so wie es einige Politiker fordern? Kann sein - entscheidend wäre, ob in den betroffenen Unternehmen entsprechende fachlich versierte Personen arbeiten und entscheiden. Gibt es diese in den Unternehmen?

Unabhängig von der Frage nach der zukünftigen Ausrichtung der Fahrzeuge zeigt das Beispiel des Verbots von Verbrennungsmotoren aber sehr deutlich, dass Unternehmen Probleme bekommen können, wenn sie sehr spezielle Produkte (vielleicht sogar für nur einen Kunden) herstellen. Hier liegt ein hoher Bedarf an einen zukunftsgerichteten Blick auf mögliche Veränderungen vor. Allgemeine Trends (politisch, gesellschaftlich und auch kundenseitig) müssen frühzeitig erkannt werden. Nun kann ein Bedarf beim Endkunden zwar durchaus erzeugt werden - aber darauf verlassen sollte sich kein Unternehmen und im B2B-Umfeld stellt sich diese Frage sowieso nicht so wirklich. Also bedarf es mindestens eines Mitarbeiters in einem Unternehmen, der regelmäßig eine Analyse der aktuellen Megatrends vornimmt und mit diesen Trends in Bezug auf die eigenen Produkte versucht herauszufinden, ob in naher Zukunft ein Produkt eventuell nicht mehr verkauft werden kann, weil es schlicht keinen Abnehmer mehr gibt, zumindest aber die Abnahme das Unternehmen betriebswirtschaftlich nicht über Wasser hält.

Wenn eine solche Analyse positiv verläuft, so können intern Pläne für zeitnahe Projekte definiert werden, so dass sich mögliche kurzfristige Veränderungen nicht zu Insolvenzen oder zu schweren Krisen führen. Beispiele für solch eine Entwicklung gibt es unzählige, von den die Fa. Nokia sicher zu den bekanntesten gehört. Anfangs Gummistiefel hergestellt, stieg das Unternehmen zu einem Marktführer auf dem Handysektor auf ... und verpasste den Trend zum Smartphone. Aber auch in Deutschland gibt es sie: Zum Beispiel die großen Energieversorger, die sich lange auf den Atom- und Kohlekraftwerken ausruhten, da das Geld in regelmäßig großen Schwemmen floss. Zumindest bis Fukushima und die kurzfristige Idee der Politik Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Darauf waren die Energieerzeuger nicht vorbereitet und fingen an zu straucheln.

Herausforderungen für Unternehmen

Nun können sich große Unternehmen irgendwie dann doch retten, was bei dem durchschnittlichen Mittelständler leider nicht möglich ist und einen Kredit vom Staat wegen Insolvenz bekommt man nun auch nicht mal eben geschenkt. Hier hilft nur die Methode des (geringen) Investments in kontinuierliche Prozesse, die negative Auswirkungen auf die Bilanz durch Veränderungen im Marktumfeld abfedern. Ein sinnvolles Element hierbei spielen die bereits weiter oben angesprochenen regelmäßigen Analysen von Markt- und Megatrends und dessen Auswirkungen auf die eigenen Produkte.

Was heißt dies aber nun für ein mögliches Verbot von Verbrennungsmotoren? Nun, es ist sicher klar, dass es bei dem Verbot in erster Linie darum geht, dass Fahrzeuge (PKW und evtl. auch LKW) keinen Diesel und kein Benzin mehr einsetzen sollen. Den Rasenmäher zu Hause wird der Heimbesitzer sicherlich weiterhin mit Benzin betreiben dürfen. Wenn die alternativen Brennstoffe (Biomethan, Wasserstoff, Biodiesel) weiter erlaubt sind, wird die Zahl an bedrohten Arbeitsplätzen nicht bei 600.000 liegen, sondern deutlich geringer ausfallen. Und die dennoch bedrohten Arbeitsplätze? Hier empfiehlt sich eine Analyse, wie sich das Portfolio unter einem Verbot entwickeln würde (was verkauft ein Unternehmen dann überhaupt noch?). Parallel sollte zeitnah (das Thema ist da und wird unabhängig von der Art und Weise seiner Realisierung nicht wieder verschwinden) damit begonnen werden, das eigene Portfolio - auch zum Schutz der eigenen Existenz - auf Alternativen hin zu überprüfen.

Im Rahmen des Portfolios unterstützt die ReNOB Unternehmen im Bereich der Organisationsstruktur auch bei einer entsprechenden Analyse bzw. der Implementierung entsprechender Strukturen. Für Fragen hierzu steht Ihnen der richtige Ansprechpartner gerne zur Verfügung. Sprechen Sie uns einfach an.

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