Der Einkauf-Blog

KWKG fordert Verbrauchsmeldung an Netzbetreiber

06.04.2016
Die Novellierung des KWKG zum 01.01.2016[1] hat für die deutschen Endverbraucher weitreichende Folgen. Zum Einen wurde die Aufteilung der Endverbrauchergruppen geändert, zum Anderen kommen Unternehmen mit einem entsprechenden Verbrauch erst dann in den Genuss der verringerten Umlagenhöhe, wenn der Endverbraucher dem Netzbetreiber anzeigt, wieviel Strom verbraucht wird. Im Folgenden erläutern wir die genauen Vorgaben und zeichnen zwei Beispiele.

Letztverbrauchergruppen

Wie bisher gibt es drei sogenannte Letztverbrauchergruppen (A, B und C). In welche Gruppe Sie als Endverbraucher fallen, hing bisher lediglich davon ab, wieviel Strom Ihnen Ihr Versorger in Rechnung gestellt hat, wobei Sie in den Genuss der Gruppe C nur durch Nachweis eines Wirtschaftsprüfers kamen, der nachwies, dass Ihr Stromkostenanteil am Umsatz im vorausgehenden Geschäftsjahr höher als vier Prozent betrug. Seit dem Jahresbeginn 2016 ist es jetzt grundsätzlich primär entscheidend, welchen Verbrauch Sie selbst mit Ihrem Unternehmen als Letztverbraucher aufweisen. Zusätzlich muss dieser Verbrauch an den entsprechenden Netzbetreiber formlos mitgeteilt werden. Wichtig hierbei: Es ist nicht die gesamte auf den Rechnungen ausgewiesene Verbrauchsmenge entscheidend, sondern die effektiv durch den Letztverbraucher verbrauchte Energiemenge. Dies ist wichtig, wenn Sie Strom weiterleiten (siehe hierzu unten aufgeführtes Beispiel).

Die folgende Tabelle führt die Letztverbrauchergruppen und die zugeordnete Umlagenhöhe auf:

Gruppe
[ - ]
Verbrauchsmenge
[ kWh ]
Umlagenhöhe
[ct/kWh ]
Bedingung
[ - ]
A 0 - 1.000.000 0,445 ---
B 0 - 1.000.000
ab 1.000.000
0,445
0,040
Meldung an Netzbetreiber
C 0 - 1.000.000
ab 1.000.000
0,445
0,030
produzierendes Gewerbe &
Meldung an Netzbetreiber &
Stromkostenanteil am Umsatz > 4%

Meldung an den Netzbetreiber / Fristen

Die Meldung an den Netzbetreiber kann formlos erfolgen, Sie sollten sich die Übermittlung zur Sicherheit aber auf jeden Fall bestätigen lassen. Solange Ihr kummulierter Jahresverbrauch nicht annähernd die Grenze von 1 GWh erreicht, ist eine Meldung an den Netzbereiber nicht notwendig. Spätestens, wenn sich jdoch abzeichnet, dass im Folgemonat die Grenze durchschritten wird, sollten Sie die Meldung an Ihren Netzbetreiber abgeben. Sollten Sie die Meldung nicht abgeben, so wird der Netzbetreiber ggf. auch bei einem Verbrauch > 1 GWh die Umlagenhöhe der Gruppe A abrechnen (siehe hierzu untenstehendes Beispiel). Sofern bis zum Jahresende keine Meldung an den Netzbetreiber erfolgt ist, gibt der Gesetzgeber eine endgültige Frist, und zwar bis zum 31. März des Folgejahres. Alle Meldungen hinsichtlich des Jahresverbrauches müssen durch den Netzbetreiber berücksichtigt werden und es kommt zu einer entsprechenden Korrektur Ihrer Stromrechnung.

Abrechnungsmethoden

Aus unserer Erfahrung gibt es drei grundsätzliche Verfahren hinsichtlich der Abrechnung der Umlagen:

  1. Der Versorger reicht die Umlagen 1:1 an den Endverbraucher weiter

  2. Der Versorger hat eine eigene Abrechnungsmethode und erst am Jahresende erfolgt ein Abgleich mit den Netzrechnungen
  3. Die Umlage ist im Vertragspreis enthalten und wird nicht weiter ausgewiesen

Im Folgenden sollen die ersten beiden Methoden genauer betrachtet werden, da die dritte Variante eher bei Verbrauchern anzutreffen ist, die einen Verbrauch < 100.000 kWh/a haben. Umlagen, die sich in Abhängigkeit vom Verbrauch ändern, können in drei Methoden abgerechnet werden:

  1. kummulierte Abrechnung

  2. die Verbrauchsmenge der Gruppe A wird auf 12 gleiche Teile aufgeteilt und diese Menge mit der entsprechenden Umlagenhöhe in Rechnung gestellt. Die Restmenge zum Monatsverbrauch wird dann mit der reduzierten Umlagenhöhe in Rechnung gestellt.
  3. in Anlehnung an die vorher genannte Methode wird der Verbrauch nicht auf 12 Teile aufgeteilt sondern auf die Tage des Abrechnungszeitraumes gewichtet

Welche Methode zum Einsatz kommt ist stark vom Netzbetreiber abhängig, aber auch von Ihrem Versorger. Und sofern Sie zur Letztverbrauchergruppe B (oder C) gehören, kann es auch davon abhängen, ob Sie Ihre Meldung an den Netzbetreiber abgeben, denn diese ist zumindest auf das gesamte Jahr bezogen wichtig, weil es zu einer (hohen) Nachzahlung oder Gutschrift führen kann.

Beispiel 1: Weitergeleitete Energie

Nehmen wir einmal an, Ihr Unternehmen hat einen Jahresverbrauch in Höhe von 1,8 GWh und Sie sind der Letzverbraucher für diese Energiemenge. Nach rechtzeitiger / erfolgter Meldung des Verbrauches werden also die ersten 1.000.000 kWh mit der Umlagenhöhe 0,445 ct/kWh belastet, die weiteren 0,8 GWh mit 0,04 ct/kWh.
Nehmen wir an, Sie leiten nun aber Strom an einen Untermieter weiter, zum Beispiel 0,5 GWh. In diesem Fall ist Ihr Verbrauch als Letzverbraucher nur noch 1,3 GWh. Nehmen wir mal weiter an, Sie leiten 1 GWh weiter - in diesem Fall ist Ihr Endverbrauch 0,8 GWh, Sie zahlen also für den gesamten Verbrauch die Umlage der Gruppe A.

Beispiel 2: Abrechnungen

Gehen wir wieder von einem Endverbrauch von 1,8 GWh aus, so fällt eine Umlage in Höhe von 4.450 EUR + 320 EUR = 4.770 EUR an, wobei die 4.450 EUR aus der Letztverbrauchergruppe A und die 320 EUR aus der Letztverbrauchergruppe B stammen. Es besteht nun die Möglichkeit, dass Sie während des Kalenderjahres genau diese Umlagnehöhe in Rechnung gestellt bekommen - oder auch nicht. Und diese beide Möglichkeiten gibt es eben für die beiden Varianten einer erfolgen bzw. nicht erfolgten Meldung. Die folgende Tabelle zeigt die Möglichkeiten:

Meldung an
Netzbetreiber
erfolgt?
falsch korrekt Differenz
3.240 EUR
ja 8.010 EUR 4.770 EUR Gutschrift
nein 4.770 EUR 8.010 EUR Nachzahlung

Herausforderung für Unternehmen

Auf Seiten des Letztverbrauchers kann nun die Entscheidung getroffen werden, ob für die eigene Planung mit einer Gutschrift oder einer Nachzahlung realisiert werden soll. Ab und zu kommt es vor, dass Netzbetreiber und Stromversorger unterschiedlich abrechnen, weshalb es durchaus sinnvoll ist, Ihrem Stromversorger mitzuteilen, ob (und wenn ja, welche Höhe) die entsprechende Mitteilung an Ihren Netzbetreiber erfolgt ist. Die Notwendigkeit eines solchen Schrittes, lässt sich prüfen. Mehr zu unseren Dienstleistungen und den sich für Sie daraus ergebenden Möglichkeiten finden Sie in unserem Portfolio. Dort finden Sie auch eine genaue Beschreibung der Umlagen.

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