Der Einkauf-Blog

ISE-Studie zu Stromgestehungskosten

Aiko Müller-Buchzik, 07.05.2018
Das Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) hat zum vierten Mal die Stromgestehungskosten für Strom aus erneuerbaren Energien bestimmt[1]. Neben aktuellen Stromgestehungskosten für die erneuerbaren Energien werden als Vergleich die Stromgestehungskosten konventioneller Kraftwerke dargestellt, sofern die Anlagen im aktuellen Jahr - also in 2018 - errichtet werden würden.

Zusammenfassung Ergebnisse

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Stromgestehungskosten gemäß der aktuellen und historischen ISE-Studien. Alle Preise sind als ct/kWh netto genannt (falls nicht anders angegeben).

Kraftwerk/Energieart Jahr Preis spez. Anlagenkosten
PV 2018 3,71 - 11,54 1.000 - 1.800 EUR/kWpeak
2013 7,80 - 14,20 600 - 1.400 EUR/kWpeak
2012 13,00 - 16,00 k. A.
2010 18,00 - 34,00 k. A.
PV (Heimspeicher) 2018 17,00 - 48,70 k. A.
WKA onshore 2018 3,99 - 8,23 1.500 - 2.000 EUR/kW
2013 4,50 - 10,70 1.000 - 1.800 EUR/kW
2012 6,00 - 8,00 k. A.
2010 6,00 - 8,00 k. A.
WKA offshore 2018 7,49 - 13,79 3.100 - 4.700 EUR/kW
2013 11,90 - 19,40 3.400 - 4.500 EUR/kW
2012 11,00 - 16,00 3.400 - 4.500 EUR/kW
2010 10,00 - 14,00 k. A.
Biogas 2018 10,14 - 14,74 2.000 - 4.000 EUR/kW
2013 13,50 - 21,50 3.000 - 5.000 EUR/kW
Braunkohle 2018 4,59 - 7,98 k. A.
2013 3,80 - 5,30 k. A.
Steinkohle 2018 6,27 - 9,86 k. A.
2013 6,30 - 8,00 k. A.
GuD 2018 7,78 - 9,96 k. A.
2013 7,50 - 9,80 k. A.

Berechnungsmethode

Die Berechnung der Stromgestehungskosten erfolgt auf Basis der Methode der Levelized Costs of Electricity (LCOE), wodurch unterschiedliche Kraftwerksarten (und entsprechend auch unterschiedliche Energieträger) miteinander vergleichbar sind. Zitat Studie: "Die Stromgestehungskosten ergeben sich aus der Gegenüberstellung aller über die Lebensdauer der Anlage für die Errichtung und den Betrieb der Anlage anfallenden Kosten und der Summe der erzeugten Energiemenge über die Nutzungsdauer." Hierbei können als Grundlage die Kapitalwert- oder oder Annuitätenmethode zum Einsatz kommen. Die jährlichen Gesamtkosten ergeben sich aus folgender Formel:

Gesamtkosten = Fixe Betriebskosten + Variable Betriebskosten (+ Restwert/Entsorgung der Anlage)

Gerade der letzte Summand erscheint nicht konsequent mit in die Rechnung augenommen worden zu sein.

Kommentar zum Ergebnis und zur Methode

Grundsätzlich ist es natürlich gut, dass verschiedene Energieträger und Kraftwerke miteinander in Vergleich gesetzt werden. Augenfällig fehlen aber noch die Atomkraftwerke. Dies mag am politisch gewollten Ausstieg liegen, aber auch daran, dass es mehr als unwahrscheinlich ist, dass ein Atomkraftwerk in Deutschland gebaut werden würde. Gänzlich korrekt ist es aber nicht.

Darüber hinaus fehlt laut Beschreibung zur Berechnungsmethode (in Teilen) die Berücksichtigung der Entsorgung bzw. des Restwertes der Anlage. An den spez. Installationskosten ist erkennbar, dass es hier eine breite Streuung gibt - wobei sich keine Zahlen für die konventionellen Energieträger und Kraftwerke als Vergleich finden. Das ist zumindest Schade, da sich so kein wirklicher Vergleich anstellen lässt, denn wirklich interessant werden die Aussagen erst durch einen ökonomischen und ökologischen cradle-to-grave-Vergleich. Vor allem der ökologische Vergleich ist nicht Teil der Studie - aber okay, es geht in der Studie ja auch nur um die Kosten. Um bei Kosten und damit bei der ökonomischen Betrachtung zu bleiben, wäre es aber natürlich doch wichtig, den Abbau, die Entsorgung und selbstverständlich auch die ggf. notwendige Deponierung mit zu bewerten. Denn in Summe müssen diese energieträgerbezogenen Kosten ja auch von irgendwem bezahlt werden und da wäre es nur fair, wenn alle Kosten aller Energieträger / Kraftwerke vollends aufgeschlüsselt werden würden. Dies wäre insofern interessant, als dass ein ggf. positives Bild zu Gunsten der enerneuerbaren Energien durch einen Kostenanstieg bei Entsorgung revidiert werden könnte (mit Betonung auf könnte). Ein Weglassen der Entsorgung verwischt unter Umständen das Ergebnis und das ist für eine Diskussion fern jeglicher persönlicher Ansichten nicht gut.

Doch die Kosten alleine sollten nicht das Kriterium pro / kontra einer Energieart sein. Es fehlt für eine umfängliche Betrachtung und Bewertung noch die Frage nach den ökologischen Auswirkungen und auch die Auswirkungen im sozialen/gesellschaftlichen Bereich. Günstig heißt nicht immer gut, schon gar nicht, wenn Menschen und Natur (aus)genutzt und ggf. nachhaltig geschädigt werden. Die Studie ist ein wichtiger Teil der Diskussion, sollte jedoch nur unter Berücksichtigung der anderen Parameter für eine sachliche Diskussion herangezogen werden.

Newsletter

Sie wünschen regelmäßige Informationen von mir zum Thema Nachhaltigkeit/Ressourceneffizienz? Dann melden Sie sich einfach beim ReNOB-Newsletter an.

Newsletter
Übersicht
Seitenanfang