Der Energieeinsatz-Blog

Anstieg Energiebedarf durch Digitalisierung

Aiko Müller-Buchzik, 06.06.2018
Auf der Website des ZfK ist ein interessanter Artikel zum Thema Bitcoin erschienen[1]. Der Artikel zitiert den PWC-Experten de Vries, welcher vor einem Anstieg des Energiebedarfs durch Bitcoins warnt und enthält leider einen Fehler.

Bitcoin-Mining

Bitcoins haben sich als digitale Währung im Bereich Blockchain platziert. Das Netzwerk, welches sich in den letzten Jahren rund um die Währung aufgebaut wurde, funktioniert nicht ohne Stromeinsatz und durch die steigende Nachfrage, werde sich laut de Vries der Energiebedarf in den nächsten Jahren weiter erhöhen. In einem Spiegel-Interview hat de Vries den Energieeinsatz für eine Zahlung mit Bitcoins auf 300 kWh benannt und nennt als Vergleich den Energieeinsatz für die Zahlung mit einer gewöhnlichen Kreditkarte mit 2 Wh bzw. 0,002 kWh. Das Bitcoin-System und die Schaffung neuer Bitcoins werde so lange weiter funktionieren, bis die Schaffung eines Bicoins mehr Stromkosten verursacht, wie ein Bitcoins in realem Geld darstellt.

Stromverbrauch in Leistung

Für die Überschrift dieses Abschnittes bitte ich um Entschuldigung, aber ich musste hier einfach mal zwei grundsätzlich Probleme knackig zusammenfassen:

  1. Stromverbrauch ist kein vernünftiger Begriff, da Strom als Energie nicht verbraucht werden kann.

  2. Eine Energiemenge (hier der Stromverbrauch) in einer Einheit für Leistung anzugeben ist schlicht falsch.

Begrifflichkeit Stromverbrauch
Energie ist definiert (nichtveränderbare Anergie und die sich veränderbare Exergie). Strom ist eine Energieform und kann damit per Definition nicht verbraucht, sondern lediglich eingesetzt und/oder genutzt bzw. umgewandelt werden. Ein Gerät hat für seine Funktionen einen Energiebedarf und diese Energie - hier der Strom - wird von irgendwo her bezogen. Aber von "Stromverbrauch" zu sprechen ist höchsten umgangssprachlich korrekt. Das Problem: Durch die sprachliche Ungenauigkeit wird die Aussage ungenau bzw. missverständlich. Bei genauem Lesen kann durchaus das Gefühl entstehen, de Vries wüsste nicht was er sagt (oder er wurde falsch zitiert, was ein schlechtes Licht auf die Presse wirft). Akzeptieren wir die Nutzung des umgangssprachlichen Wortes "Stromverbrauch" so kommen wir an einer Sache jedoch nicht vorbei, und das ist Punkt 2 der obigen Aufzählung.

Einheiten
Die Physik ist gnadenlos: Eine Leistung hat seine Einheit (W = Watt), Arbeit eine andere und beide sind durch die Zeit miteinander verbunden: Arbeit = Leistung über die Zeit (Wh = Wattstunde). "Stromverbrauch" steht für eine Arbeit, demzufolge wäre eine Mengenangabe in einer entsprechenden Angabe zu erwarten. Schauen wir uns einmal ein Zitat von der ZfK-Webseite an:

"Er hat den Stromverbrauch für das Bitcoin-Netzwerk berechnet, der sich ihm zufolge auf mindestens 2,55 Gigawatt beläuft - etwa so viel wie Irland in einem Jahr verbraucht (3,1 GW)."

Da stellt sich eine Frage: Ja, was denn nun? Hat Irland einen Energiebedarf von 3,1 GWh oder eine (maximale) Anschlussleistung von 3,1 GW? Im Internet[2] findet sich ein interessanter statistischer Wert, welcher besagt, dass Irland einen Energiebedarf von ca. 23,79 Milliarden kWh hat (das geltende Jahr habe ich leider nicht gefunden). Das macht also ca 24. TWh (23,79 kWh x 1.000.000.000 / 1.000.000.000.000) Energie. Ganz schmal auf das Jahr verteilt (also durch 8.760h geteilt) ergibt sich ein Wert von ca. 2,7 GW. Aha - das liest sich schon sehr viel mehr nach dem von de Vries genannten Wert - es ist also durchaus möglich, dass die notwendige Anschlussleistung zur Produktion der Bicoins ca. 2,55 GW benötigt.

Verblödung der Menschheit
Was ist nun aber bitteschön so schwierig daran - als Experte und als Journalist - darauf zu achten, die richtigen Worte zu verwenden? Bei Journalisten besteht ja noch die Chance schlechte Recherche geltend zu machen (ob das jedoch positiv ist?), aber wer sich als Experte ausgibt oder zumindest als solcher betitelt wird, der sollte zumindest darauf achten, sprachlich/fachlich korrekt zu sein bzw. entsprechend zitiert zu werden. Es muss ja niemand so extrem und kritisch gegenüber Umgangssprache sein (wie ich das sein mag), aber wenn es um Einheiten geht, dann ist das in Summe einfach ein verdammt schlechtes Zeugnis und hebt einen vom Expertenstatus herunter, denn von einem Experten kann der (normale) Mensch erwarten, korrekte Aussagen zu vernehmen. Und dies wurde in dem zitierten Artikel in keinster Weise gemacht, denn unabhängig von den Zahlen ist ein "Stromverbrauch" nun einmal keine Leistung und dementsprechend ist entweder die Wortwahl "Stromverbrauch" oder die Einheit GW falsch.

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