Der Materialeinsatz-Blog

PwC-Studie: Deutsche Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Verpackungen

Aiko Müller-Buchzik, 22.02.2018
Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat in Ihrer Verpackungsstudie 2018[1] die Wünsche der deutschen Verbraucher hinsichtlich der Entwicklung von Verpackungen untersucht. Grundsätzlich stehen die Verbraucher einem Mehrwegsystem offen gegenüber, jedoch nur, wenn es keine Zusatzkosten gibt.

Zusammenfassung

Fast 94% der Befragten denken, dass bei vielen Produkten weniger Verpackung ausreichen würde. Besonders im Bereich der Drogerie- und Hygieneartikel gäbe es zu viel Verpackungsmaterial. 9 von 10 Befragten befürworten einen weitgehenden Verzicht. Die gleiche Anzahl der Befragten wäre bereit, auf Umverpackungen bei Lebensmitteln zu verzichtten, wobei knapp 10% tatsächlich aussagen, bereits in einem verpackungsfreien Supermarkt zumindest ab und zu einzukaufen. 75% der Befragten befürworten bei Versandverpackungen ein Mehrwegsystem, und 70% von diesen wären bereit hier einen Pfand zu bezahlen.

Ebenfalls interessant ist die Frage nach dem Verursacher für den Müll - hier sehen 45% den Hersteller. Es folgen mit 22% der Handel, der Gesetzgeber mit 18% und mit 15% der Verbraucher.

Interpretation der Ergebnisse

Die "Schuld" liegt also nicht beim Verbraucher, sondern beim Hersteller, ein wenig auch beim Handel und der Politik. Der Verbraucher sieht sich an letzter Stelle und überhaupt. Von Seiten der Hersteller gibt es natürlich entsprechende Argumente ("Der Verbraucher wünscht sich praktische Verpackungen", etc.).

Wenn sich aber die deutliche Mehrheit über den Müll beschwert, dann stellt sich jedoch wiederum die Frage, warum der Verbraucher trotzdem fröhlich weiter Produkte mit Verpackungen kauft. Jeder Supermarkt/Discounter hat Sammelstellen für Verpackungen. Diese müssten laut Ergebnis eigentlich mehrmals täglich wegen Überfüllung geleert werden? Oder vielleicht gleich auf Produkte verzichten, die extra eingepackt sind (dies ist ja scheinbar nur 10% der Befragten so wichtig, dass sie aktiv etwas machen). Welche Möglichkeiten gibt es denn überhaupt? Hier mal ein paar wenige Ideen:

  1. Kein Kauf von verpackten Produkten

  2. Verpackungen werden beim Händler gelassen
  3. Kein Kauf von Produkten, die Schummelverpackungen sind
  4. Kein Kauf von Produkten im Einwegsystem
  5. ...

Kein Kauf von verpackten Produkten
Aus Müllsicht sicherlich die zu bevorzugenste Variante - leider dürfte sich vor allem Drogerie- und Hygienebereich die Produktvielfalt deutlich reduzieren. Bei vielen Artikeln des täglichen Lebens gibt es aber Alternativen, welche jedoch durch die Umstände hier und da in Ihrer Umsetzung stark eingeschränkt sind. An oberster Stelle stehen hier Märkte - wobei dies nur dann sinnvoll ist, wenn keine Plastiktüten zum Einsatz kommen, in welche die Lebensmittel verstaut werden. Herausgenommen sind hierbei Verpackungen, die einen lebensmittel-hygienischen Hintergrund haben. Gemüse und Obst aber auch Käse und Fleisch lassen sich in kleineren Märkten (um die Ecke) ohne viel Verpackungen kaufen - auch in den großen Supermärkten können entsprechende Produkte lose gekauft werden. Aber: Es ist auch möglich, im Supermarkt/Discounter verpackungsfrei einzukaufen.

Verpackungen werden beim Händler gelassen
Tüten in Kartons sind praktisch - für den Händler. Aber es gibt z. B. auch Tüten, die bedruckt sind. Welche Variante unter ökobilanziellen Gesichtpunkten besser ist, sei mal unberücksichtigt, aber grundsätzlich ist jede Kartonverpackung theoretisch überflüssig. Wenn das ein Großteil der Verbraucher so sieht, dann fragt sich jedoch, warum diese Verpackungen nicht konsequent beim Supermarkt/Discounter/Drogeriemarkt in die Sammelstellen zurückgelassen wird. Das ist gesetzlich von den Händlern anzubieten! Warum nutzen das so wenige Verbraucher?

Kein Kauf von Produkten, die Schummelverpackungen sind
Nicht unbedingt nur ein Problem der Drogeire- und Hygieneprodukte sind grundsätzliche Verpackungen, die mehr Volumen vortäuschen, als das Produkt selbst benötigt. Der Hintergrund liegt natürlich in der Kaufpsychologie, denn 20 ml Creme sind nun mal verdammt wenig und wenn der Verbraucher 5 EUR zahlen soll, dann soll er auch das Gefühl haben, eine große Menge zu kaufen. Okay, das Wissen ist nicht neu - aber auch hier gilt grundsätzlich Punkt 2 (siehe oben) zum Einen, zum Anderen stellt sich in einigen Fällen aber sicher auch die Frage, warum der Kunde - sofern es keine Alternative gibt - nicht auf das Produkt konsequent verzichtet.

Kein Kauf von Produkten im Einwegsystem
Vor allem bei Getränken sind die Einweg-Verpackungen ein großer Müllproduzent - hier spielt aber, und deshalb sind die 15% der Verursacher eben bedenklich, der Verbraucher selbst eine große Rolle. Klar, ein 6-er-Träger Mineralwasser schick in Plastik eingepackt ist viel praktischer und günstiger und man hat weniger Aufwand mit dem Müll (naja - halbwegs). Doch gibt es überhaupt Alternativen. Nun, es gibt Getränkelieferanten und die liefern bestimmt auch nach Hause und holen ggf. auch wieder ab. Mineralwasser ließe sich auch selbst sprudeln das ist sogar preiswerter), wobei auch hier die ökobilanzelle Sicht erst einmal außen vorgelassen wird.

Kritik

In vielen Bereichen ist es oftmals einfach die Bequemlichkeit des Verbrauchers selbst. Getränke wiegen nicht viel mehr, wenn sie als Mehrweg eingekauft werden. Der Getränkekasten ist vielleicht nicht optimal - hier besteht ein kleines Optimierungspotenzial beim Hersteller - aber ganz ehrlich, niemand hebt sich einen Bruch am leeren Kasten: Das Gewicht kommt durch die Flaschen!!! Die Möglichkeiten sind gegeben, die Studie kommt ja zum (eigentlich nicht wirklich überraschenden Ergebnis), dass der Verbraucher das derzeitige System nicht gut findet.

Was jedoch auch typisch ist: die Schuld hat wieder wer anderes, dabei ist das Argument der Herstellerverbände in vielen Teilen nicht von der Hand zu weisen: Der Verbraucher hat eine Mitschuld, weil er schön brav aus verschiedensten Gründen (z. B. Bequemlichkeit, manche sagen vielleicht an dieser STelle auch Faulheit) die Produkte weiterkauft, die ihm angeboten werden.

Jeder große Herstellen hat ein QM-System und bietet im Rahmen dessen dem Verbraucher an, sich zu Beschweren. Facebook, Twitter und Co: Wo bleibt der nächste Shitstorm, wenn mal wieder ein Produkt mit unnötiger Verpackung gekauft werden musste? Nur meckern, aber nicht aktiv werden ist nicht akzeptabel, wenn die Möglichkeit zu einem aktiven Handeln besteht.

Neben den obigen Fragen noch ein paar wenige Anregungen:

  • Frisches Zapfen von Milch mit Mengenbestimmung und entsprechender Abfüllung (das gibt es tatsächlich)

  • Obst lose kaufen und nicht in die Plastiktüten mitnehmen (einfach in den Wagen oder mitgebrachte Tüten legen und ohne Tüte abwiegen lassen - das spart 2 Gramm)
  • Müsli & Co analog zu Milch nach Menge selbst Abfüllen (gibt es in Läden, also warum nicht bei Supermarkt & Co?)
  • Brötchen und Brote nicht in die ausliegenden Tüten mit Sichtfenster, sondern in mitgebrachte Tüten legen, die wiederverwendet werden können
  • Verzicht auf online-Handel. Bücher z. B. kosten beim Händler um die Ecke genauso viel wie bei Amazon und können inzwischen auch online(!!!!) bestellt, bezahlt und zurückgelegt werden.

Vor allen Dingen aber gilt eins: Wenn mich etwas stört, dann überlege ich, was ich als Verbraucher dagegen machen kann und nehme anfänglichen Mehraufwand in Kauf. Nebenbei ist es faktisch ziemlich egal, ob ich die Verpackungen in den eigenen vier Wänden dem Müll zuführe oder beim Händler. Die Hersteller werden nichts ändern, solange es gesetzlich keine entsprechenden Vorgaben gibt. Diese sollten zwar weiter durch die Politik geprüft werden, allerdings können wir uns dies auch ersparen, wenn wir nicht nur Meckern, sondern Handeln. Das muss nicht im Großen sein, sondern beginnt im Kleinen vor der Haustür.

Herausforderung für Unternehmen

Hersteller und vllt. auch Händler sollten die Studie ernst nehmen, denn sie bietet ein paar spannende Blicke in mögliche Kosumentenentscheidungen. Es kann also zum Vorteil gereichen, wenn die eigenen Produkte nach Kundenwunsch ausgelegt werden (hier Verzicht auf Verpackungen - und nicht das vielleicht für den Händler angenehmere Verpackungsprinzip). Fast jeder große Hersteller muss sich mit CSR beschäftigen und hier ist seit 01.01.2017 etwas zu den nicht-finanziellen (also ökologischen und gesellschaftlichen) Aspekten der Nachhaltigkeit zu schreiben/veröffentlichen. Dies ist für Hersteller eine offene Tür für eine Marktpaltzierung und/oder -sicherung, denn es scheint offensichtlich einen breiten Markt für verpackungsfreie Produkte (vor allem im Bereich Drogerie- und Hygiene) zu exitieren.

Im Bereich des Online-Handels besteht ebenfalls eine Chance, wenn die Mehrweglösung realisierbar ist. Warum nicht den Logistiker einbinden? Für diese und weitere Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihren Anruf.

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externe Links

[1] Webseite PwC zur Studie

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