Der Organisationsstruktur-Blog

BfEE-Analyse zu branchenspezifischen Preisen und Nachfrage Energiemanagement

Aiko Müller-Buchzik, 06.12.2017
Die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE)[1] ist für die Beobachtung und Bewertung des Marktes für Energiedienstleistungen, Energieaudits und andere Energieeffizienzmaßnahmen gesetzlich verantwortlich. Jetzt hat das BfEE sozusagen als empirische Grundlage für die Weiterentwicklung von Maßnahmen den Markt in den Bereichen Energieberatung und - audit sowie Energiemanagement und Contracting hinsichtlich Preisen und Nachfrage sondiert und stellt die Ergebnisse unterschiedlicher Dienstleistungen und Produkte zum Energiemanagement für KMU vor.

Abgeleitete Thesen aus der emprischen Auswertung

Das BfEE leitet zwei grundsätzliche Thesen aus den ausgewerteten Zahlen ab, die als "Ergebnis" interpretiert werden können:

  • Die Preise für Dienstleistungen und Produkte zum Energiemanagement sind branchenabhängig. Es ist zu vermuten, dass unterschiedliche Charakteristika der Branchencluster sich in einer unterschiedlichen Nachfrage widerspiegeln

  • Die Nachfrage nach Dienstleistungen zum Energiemanagement variiert über die Branchen hinweg

Daten und Methodik

Die Grundlage für die Analyse bildet eine Befragung von ca. 1.700 Anbietern von Energiedienstleistungen sowie 3.001 KMU und 3.000 Privathaushalten, die allgemein zum Thema Energiedienstleistungen befragt wurden. Insgesamt ergibt die Markterhebung 2016 Auskunft über die Nutzung, das Angebot und die Preise von

  • Energiemanagementsoftware,

  • Beratungsleistungen zur Einführung eines zertifizierten Energiemanagmeentsystems,
  • Externem Energiecontrolling / -monitoring und
  • Zertifizierung, sowie Re-Zertifizierungen von Energiemanagementsystem

Darüber hinaus wurden Antragsdaten des BAFA-Förderprogramms zum Energiemanagementsystem herangezogen.

Aufteilung Nutzer und Antragsteller zu EnM-Dienstleistungen

Die Analyse kann in drei Bereiche aufgeteilt werden: Nutzer (wenn Immobilieneigentümer), Nutzer innerhalb der Branche und Förderungen.

Dabei zeigt sich, dass in der ersten Kategorie der Handel Non-Food mit 21,1% den höchsten Anteil hat. In der zweiten Kategorie belegt Handel Food mit 28,9% den größten Anteil und bei den Förderungen ist es die energieintensive Industrie mit 46,6%. Im Ergebnis zeigt sich die EnM-Dienstleistung für Unternehmen des industriellen Sektors als sehr attraktiv, im Dienstleistungssektor selbst zeigen die Bereiche Handel und Hotel ein hohes Interesse an Dienstleistungen.

Preise und Nachfrage an EnM-Dienstleistungen

Im Folgenden werden die Dienstleistungen selbst unterschieden betrachtet. Die Unterscheidung erfolgt hauptsächlich nach Einführung Energiemanagementsysten gem. DIN EN ISO 50001, Energiecontrolling und Einführung Managementsoftware

Einführung Energiemanagementsysten gem. DIN EN ISO 50001
Die durchschnittliche Beratung zur Einführung eines Energiemanagementsystem gemäß DIN EN ISO 50001 kostete 12.246 EUR. Die Preisspanne für das Branchencluster Energieintensive Industrie beläuft sich von 1.750 bis 50.000 EUR (Mittelwert 15.775 EUR). Der Mittelwert liegt somit über dem Gesamtmittelwert - gleiches ist auch für die Cluster Sonstige Industrie und Handel Non-Food festzustellen. Zum Vergleich: Beim Branchencluster Hotel belaufen sich die Kosten zwischen 250 und 6.500 EUR.
Für die externe Beratung zur Einführung im Rahmen der BAFA-Förderung wurden im Durchschnitt 8.163 EUR ausgegeben. Das Mittel für das Branchencluster Energieintensive Industrie lag hier bei 10.298 EUR.
Die größte Attraktivität scheint für die Branchencluster Energieintensive Industrie sowie Sonstige Industrie vorzuliegen - zumindest machen beide einen Anteil von 44% der Nachfrage aus. Entsprechend hoch ist auch der Anteil an beantragter Förderung (35,7%).

Energiecontrolling
Die Beratung für Energiecontrolling liegen bei durchschnittlich 6.470 EUR, wobei auch hier die Kosten im Branchencluster Energieintensive Industrie mit 9.250 EUR über mit Mittel liegen. Die höchsten durchschnittlichen Kosten zeigen sich jedoch mit 12.541 EUR im Branchecluster Hotel. Das Brancencluster Handel Non-Food weist mit 24,7% den größten Nachfrageanteil auf.

Interpretation
Unternehmen, die einen hohen Anteil an Energieeinsatz haben, beschäftigen sich eher mit einem Energiemanagementsystem und können in Folge dessen sehr viel selbstständiger mit dem Energiecontrolling umgehen, benötigen daher auch weniger externe Unterstützung.

Fazit

Zum Einen lässt sich feststellen, dass die Preise innerhalb und über die Clustergrenzen hinweg sehr unterschiedlich ausfallen. Gleiches lässt sich auch für die Nachfrage feststellen. Vor allem KMU aus dem energieintensiven Sektor sind eher bereit eine externe Beratung zu beauftragen und sich mit dem Thema Energiemanagement zu beschäftigen. Im Branchencluster Hotel zeigt sich hingegen eine hohe Nachfrage an externen Dienstleistungen zum Energiecontrolling. Darüber hinaus zeigt sich anhand der Vergleiche zwischen Beratung und Anträgen für Messeinrichtung, dass die Inanspruchnahme von EnM-Dienstleistungen nicht immer mit dem Interesse an Energieeffizienz zusammenfällt. Je höher das allgemeine Interesse an einer Umsetzung im Bereich von Einsparpotenzialen ist, desto eher scheint der Antrieb zu sein, sich ohne externe Unterstützung mit dem Thema zu beschäftigen. Dies trifft häufig für Unternehmen zu, die genügen Kapital und Fähigkeiten besitzen, sämtliche Teilaspekte eines Effizienzprojektes selbst durchführen zu können.

Die Investition in Messtechnik ist eine sehr hohe Hürde. Nur wenn Unternehmen annehmen, dass sich diese Investition in Form von hohen Einsparungen lohnen, werden die Investitionen in ein vollumfängliches Energiemanagementsystem getätigt. Ansonsten werden nur niederschwellige Maßnahmen wie Energieberatungen und -audits zur Offenlegung der grundsätzlichen Einsparmöglichkeiten eingesetzt.

Herausforderungen für Unternehmen

Die Studie zeigt, dass jedes Unternehmen einzeln betrachtet werden muss. Es gibt nicht den einen Königsweg, der für jedes Unternehmen zum besten Ergebnis führt. Vielmehr sind die äußeren Umstände mit zu berücksichtigen - also z. B. auch die individuellen Erfahrungen und Fähigkeiten der verantwortlichen Mitarbeiter. Es erscheint daher sinnvoll, sich zuerst einmal einen ordentlichen Überblick über die Möglichkeiten und die üblicherweise daraus folgenden Vorteile für das jeweilige Unternehmen zu verschaffen. Hierfür und für weitere Informationen Ihrer Möglichkeiten stehe ich Ihnen gerne mit einem persönlichen Gespräch. Ich freue mich auf Ihren Anruf.

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