Der ReNOB-Blog

Tu Gutes und rede drüber Teil 1

Aiko Müller-Buchzik, 07.12.2017
Im Rahmen einer "Energieberatung im Mittelstand" erhielt ich den Auftrag für die Beratung eines Restaurants zur Prüfung möglicher Effizienzmaßnahmen. Das Restaurant befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude in direkter Nachbarschaft zu einem Hotel. Durch diese Nähe ist ein Grundkundenstamm durch das Hotel garantiert. Trotz guter Lage in einem kleinen Wandergebiet, fehlt dem Restaurant (derzeit) Laufkundschaft. Lediglich abends kommen Gäste - die Hauptkundengruppe stellen jedoch Gruppen, die Räumlichkeiten für Feiern mieten. Dementsprechend zeichnet sich das Restaurant eher durch hauptsächliche Nutzung in den Morgen- und Abendstunden sowie vermehrt am Wochenende auch bis in die Nacht aus. Das Gebäude inklusive dem Großteil des Inventars gehört dem Besitzer, so dass der Betreiber der Gaststätte selbst nur wenige direkte Ansatzpuntke in Effizienzmaßnahmen sieht.

gefundene Potenziale

Insgesamt konnten nach der Besichtigung und den Gesprächen mit dem Betreiber ein paar Ansätze für Einsparungen identifiziert werden. Für die Maßnahmen mit hohem Einsparpotenzial bedarf es der Rücksprache mit dem Verpächter, da es sich hier im Wesentlichen um die Heiztechnik oder damit verbundene Anlagen handelt. Folgende Potenziale konnten identifiziert werden (aus Datenschtzgründen nur die Beschreibung ohne Nennung der finanziellen Aspekte):

  1. Kesseltausch: Der Kessel (ca. 20 Jahre alt) sollte gegen eine moderne Variante ausgetauscht werden. Die Nutzung von Solarthermie ist grundsätzlich möglich, müsste jedoch mit dem Bauamt abgesprochen werden. Ein Pufferspeicher empfiehlt sich, da neben dem Restaurant auch die über dem Restaurant liegende Betreiberwohnung mit Wärme versorgt wird. Der im Restaurant befindliche, aber nicht genutzte Kamin könnte nach Restaurierung und Modernisierung zusätzlich an den Pufferspeicher und damit an das Heizungssystem angeschlossen werden.

  2. hydraulischer Abgleich: Zur gleichmäßigen Wärmeversorgung der einzelnen Heizkörper sollte das Verteilungssystem hydraulisch eingestellt werden.
  3. Austausch Kühlfächer Tresen: Im Barbereich kommt derzeit eine Kühlanlage für drei Kühlsegmente zum Einsatz. Aufgrund der derzeitigen Nutzung kommt es durch die zentrale Steuerung zu unnötigem Kühlbetrieb, der durch eine kühlsegmentbasierte Steuerung ersetzt werden könnte.
  4. Umrüstung Beleuchtung: Der Klassiker und in ein paar wenigen Fällen auch hier interessant. Auch wenn der Großteil der Beleuchtung schon relativ energiesparend realisiert ist, kann im Küchenbereich über ein Umstieg auf LED-Technik nachgedacht werden. Ansonsten eher ein geringes Potenzial.
  5. Optimierung Nutzung Kühlhäuser: Insgesamt gibt es drei Kühlräum, von denen ein Raum ein Durchgangsraum darstellt. Durch die geringe Auslastung insgesamt könnte auf die vollständige Nutzung des Durchgangsraumes verzichtet werden bzw. die Nutzung derart angepasst werden, dass die durchschnittliche Temperatur unter der Woche heraufgesetzt wird. Die Kühlung im Durchghangsraum erfolgt nur noch bei entsprechendem Kühlbedarf - damit keine zu hohe Kühllast auftritt sollte die Temperatur nicht der Umgebundstemperatur der Küche entsprechen - ein Teil der Kühlverluste der angrenzenden Kühlräume kann "genutzt" werden.
  6. Durchlauferhitzer Sanitärbereich: Derzeit findet lediglich an Wochenende eine hohe Nutzung der Sanitärräume statt. Die geringe Anzahl der Gäste wirkt sich auch auf die Sanitärbereiche aus, welche entsprechend gering genutzt werden. Der Warmwasserbedarf ist dementsprechend wechselhaft und weist durch lange Rohleitungen von der Heizung zu den Zapfstellen große Wärmeverluste auf. Letztlich stellt sich auch die Frage, ob überhaupt viel von dem bereitgestellten Warmwasser zum Einsatz kommt. Durch elektrische Durchlauferhitzer kann schneller warmes Wasser zur Verfügung gestellt und die Leitungsverluste reduziert werden. Weiterer Vorteil wäre eine verringerte Legionallenbildung durch stillstehendes Wasser in den Leitungen.
  7. Austausch Herd: Derzeit werden alte Standardherde eingesetzt. Die Herdplatten weisen dabei eine im Vergleich zu den eingesetzten Töpfen und Pfannen größere beheizte Fläche auf. Um hier die Wärmeverluste (auch sekundär) zu verringern, bietet sich eine Herdtechnik an, die auf die Auflagefläche abgestimmt ist - zum Beispiel Induktion.
  8. Kochgeschirr: Grundsätzlich sind die Auflageflächen der Töpfe in Ordnung. Vereinzelt kommen jedoch Pfannen zum Einsatz, welche keine glatte Auflagefläche aufweisen. Durch die geringe Nutzungsdauer von knapp 6 Monaten entsteht hier kein großer Aufwand, wenn beim nächsten Kauf darauf geachtet wird, dass die Pfannen eine glatte Auflagefläche aufweisen.
  9. Enteisen Kühltruhen: Vor allem im Sommer weisen die Kühltruhen im Küchenbereich dicke Eisschichten auf. Hier empfiehlt sich eine noch regelmäßigere Enteisung und ggf. eine unterstützende Befüllung mit Füllmaterial wie Styroporplatten, um den zu kühlenden Raum zu verringern.
  10. Kühlung Vorraum Küche: Im Vorraum der Küche ist das Kühlgerät für den Getränkeraum installiert. Leider sammelt sich in dem Vorraum die Abwärme des Kompressors, so dass es zu einer Wirkungsgradverringerung der Kühlanlage kommt. Abhilfe kann hier eine Fortführung der Wärme durch ein nahe gelegene Öffnung in der Wand (früherer Befüllschacht) bieten. Zur Auswahl stehen hier eine Befestigung eines Ventilators in einer extra montierten Platte und ein Kanalsystem.

Gesamtbewertung

Für den Betreiber des Restaurants bleiben die kleinen Maßnahmen, welche in sich jedoch teilweise mit 2-stelligen internen Verzinsungen verbunden sind. Der totale Einsparung selbst ist bei diesen Maßnahmen jedoch als eher gering zu bezeichnen. Die finanziell und ökologisch interessanten Maßnahmen sind nur unter Einbeziehung des Gebäudebesitzers (und des Ordnungsamtes) möglich. Ein, auch marketingtechnisch, spannendes Projekt wäre die Reaktivierung des Kamins, dies wäre aber mit einem hohen Eingriff in das tägliche Geschäft verbunden und ist derzeit tendenziell ausgeschlossen, sollte bei einer Konzeptionierung der Heiztechnik jedoch mittels eines zusätzlichen Anschlusses an einen ggf. integrierten Pufferspeicher berücksichtigt werden.

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