Der ReNOB-Blog

Tu Gutes und rede drüber Teil 2

Aiko Müller-Buchzik, 23.03.2018
Im Rahmen einer "Impulsberatung für KMU" interessierte sich eine Fleischerei für Effizienzpotenziale - hauptsächlich im Bereich Energie. Die Fleischerei betreibt insgesamt vier Verkaufsstellen und bietet einen Lieferservice für Veranstaltungen. Das Unternehmen hat eine inzwischen über 100-jährige bewegte Vergangenheit mit Höhen und Tiefen und konnte sich nach der letzten Übernahme langsam positiv entwickeln. Gegenstand der Untersuchung war der Produktionsbereich.

gefundene Potenziale

Insgesamt konnten nach der Besichtigung und den Gesprächen mit dem Betreiber ein paar Potenziale identifiziert werden, die in einem nachgelagerten Schritt weiter geprüft werden sollten:

  1. Beleuchtung: Insgesamt kommt Beleuchtung nur in einem geringem Maße zum Einsatz - dann aber als T8-Leuchtstoffröhren mit konventionellem Vorschaltgerät. Das Potenzial liegt hier bei einem Austausch, ggf. unter Berücksichtigung von Helligkeitssensoren und Präsenz- bzw. Bewegungsmelder.

  2. Abwärmenutzung: Fleischereien zeichnen sich durch ein hohes Maß an Kühlbedarf bei vergleichsweise geringem Heizwärmebedarf aus. Dafür wird aufgrund der hygienischen Vorgaben eine erhöhte Menge an Warmwasser für die Reinigung benötigt. Das Potenzial ist hier mittels vielfältiger Methoden die Nutzung der Abwärme zur Warmwasserversorgung. Alternativ kann die warme Luft auch direkt als Frischluft in anderen Räumen eingesetzt werden.
  3. Solarenergie: Das Gebäude hat eine große Dachfläche mit Südausrichtung und ein modernisierungswürdiges flaches Satteldach über der Produktionshalle. Die gesamte Dachfläche bietet ein gutes Potenzial für thermische und/oder elektrische Solarnutzung. Thermisch könnte die Warmasserversorgung unterstützt werden, elektrisch eine Reduzierung der Bezugsmenge an Strom aus dem öffentlichen Netz.
  4. Durchlauferhitzer: Aus hygienischen Gründen musste ein Durchlauferhitzer zur Reinigung der Hände mit Warmwasser installiert werden. Hierfür kommt ein Gerät mit einer Anschlussleistung von 21 kW zum Einsatz. Unter Benutzung des vorhandenen Abwärmepotenzials und der möglichen Nutzung der thermischen Solarenergie ergibt sich die Möglichkeit der Zwischenspeicherung in einem Pufferspeicher, welcher zum Einen für das Händewaschen, aber auch für die Reinigung eingesetzt werden könnte.
  5. Kühlanlage Nebengebäude: In einem Nebengebäude befindet sich eine Kühlzelle, welche eine eigene Kühlanlage einsetzt. Der hierfür benötigte Strom könnte aufgrund der Gebäudesymmetrie durch eine PV-Anlage mit Strom versorgt werden. Gegebenenfalls überflüssiger Strom könnte in das öffentliche Netz eingespeist werden.
  6. Spülmaschine: Derzeit wird eine ältere Korbspülmaschine für die Reinigung der eingesetzten Transportkisten eingesetzt. Die Spülmaschine könnte ggf. an die Warmwasserversorgung (Stichwort Pufferspeicher) angeschlossen werden.
  7. Mitarbeiter: Vereinzelt ist das Verhalten der Mitarbeiter hinsichtlich des Energieeinsatzes nicht optimal. So wurde in einer TK-Zelle vergessen, das Licht auszuschalten. Da die Türrahmenheizung an das Licht gekoppelt ist, lief auch die Heizung unnötigerweise. Dadurch scheint sich jedoch auch im Eingangsbereich der TK-Zelle eine beachtliches Eisvolumen an den Rauminnenwänden gebildet zu haben.
  8. Gebäudenutzung: Teile des Wohngebäudes werden aktuell nur noch für sanitäre Zwecke (Duschen und Umkleiden) eingesetzt. Hier könnte über eine geänderte Nutzung z. B. durch Vermietung nachgedacht werden.
  9. Lastmanagement: Eine vom derzeitigen Energieversorger durchgeführte Lastganganalyse zeigt deutliche Lastspitzen in Höhe von 10 - 20 kW, die auf Einschaltprozesse zurückzuführen sind. Derzeit wird über eine Abschätzung der aktuellen Anschlussleistung und der jeweils aktuellen Uhrzeit versucht, diese Leistungsspitzen zu vermeiden. Dies ist jedoch nicht so genau, so dass hier eine komplette Analyse zu einer genaueren Steuerungsbasis führen kann.
  10. Messstellenbetrieb: Der aktuelle Zähler wird durch den grundverantwortlichen Messstellenbetreiber betrieben. Wird der Betrieb und die Messung an ein externes Unternehmen abgegeben, so könnte über das Auschreibungsverfahren die Möglichkeit geschaffen werden, zum Beispiel über eine Nutzung von smarten Endgeräten oder zentralen Anzeigegeräten eine bessere "Steuerung" der aktuellen Leistung zu ermöglichen.
  11. Energiemanagementsystem: Ein Managementsystem, wenn auch nur ein kleines wie zum Beispiel bei der SpaEfV, könnte dafür sorgen, dass noch systematischer mit dem Thema Energie und möglichen Potenzialen umgegangen wird. Nebenbei besteht bei entsprechenden betriebswirtschaftlichen Zahlen auch die Möglichkeit einer Teilentlastung von der Stromsteuer.
  12. Alternative zu Konservendose: Unter Umständen könnte - auch zu Kundenbindungszwecken - vor allem aber zur Reduzierung von Verpackungsmaterial darüber nachgedacht werden, einen Teil der Konservendosen durch Glasbehälter zu ersetzen, wenn gleichzeitig ein Pfandsysteme eingeführt wird.
  13. E-Mobilität: Die derzeitigen täglichen Fahrtstrecken und -zeiten rechtfertigen durchaus die Möglichkeit, über die Nutzung von E-Fahrzeugen zu. Unter Einbindung von PV-Anlagen und entsprechender Speichertechnik, könnte das Fahrzeug (demnächst soll ein Fahrzeug außer Betrieb genommen werden) zu einem Großteil über selbst erzeugten Strom versorgt werden, zumal die Ladezeit auch in die Zeit des Sonnenscheins verlagert werden kann.

Gesamtbewertung

Für den aktuellen Inhaber der Fleischerei liegen einige interessante Potenziale vor und er zeigt ein entsprechendes Interesse an einer Modernisierung. Mittels der vielfältigen Fördermöglichkeiten besteht die gute Möglichkeit in eine tiefergehende Beratung (z. B. "Energieberatung im Mittelstand") zu investieren, um anschließend weitere Förderungen für eine Umsetzung zu nutzen.

kostenlose Impulsberatung für KMU

Die Impulsberatung für niedersächsische KMU bietet die Möglichkeit, eine Sammlung an Potenzialen hinsichtlich Material- und Energieeinsatz durch verifizierte Berater erstellen zu lassen. Die Beratung soll den Einstieg für eine längerfristige Partnerschaft hin zu mehr Material- und Energieeffizienz ermöglichen.

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