Der ReNOB-Blog

Tu Gutes und rede drüber Teil 3

Aiko Müller-Buchzik, 16.04.2018
Im Rahmen einer "Impulsberatung für KMU" interessierte sich ein Metallbauer für Effizienzpotenziale - hauptsächlich im Bereich Energie. Der Metallbauer hat ein klassisches Sortiment und vertreibt seine Produkte deutschlandweit. Gegenstand der Untersuchung war der gesamte Standort.

gefundene Potenziale

Insgesamt konnten nach der Besichtigung und den Gesprächen mit dem Betreiber ein paar Potenziale identifiziert werden, die in einem nachgelagerten Schritt weiter geprüft werden sollten:

  1. Ersatz Heizlüfter: Heizlüfter verteilen mittels eines Ventilators Wärme aus dem allgemeinen Heizsystem. Dies erfolgt durch Aufwärmung der Umgebungsluft und entsprechender Verteilung, so dass es sich hierbei um eine Luftheizung handelt. Im vorliegenden Fall wird die erwärmte Luft durch die zwei Wandgeräte ungefähr in die Mitte des Raumes geblasen. Das zentral in de Halle montierte Gerät verteilt die erwärmte Luft entsprechend. Das Potenzial besteht im Ersatz der eingesetzten Geräte durch so genannte Deckenstrahlplatten, welche nicht die Luft erwärmt, sondern durch Wärmestrahlung die unter den Platten befindlichen Bereiche beheizt.

  2. Heizlüfter durch Lager verstellt: Der Heizlüfter im Bereich der Lager- und Fahrzeugabstellfläche kann die erwärmte Luft nicht komplett in die Hallenmitte blasen, da direkt unter dem Heizlüfter ein Regallager positioniert ist, auf welchem im obersten Fach große Stahlträger und andere Komponenten gelagert werden. Die erwärmte Luft erwärmt so das gelagerte Material und unterstützt nicht wie gewünscht die Erwärmung der Hallenluft.
  3. Bauphysik I: Die Fenster auf der Südseite der Werkhalle sind sehr alt und könnten durch moderne Verglasung ausgetauscht werden. Dies führt zu einem verringerten Wärmeverlust im Winter sowie zu einem verringerten Wärmeeintritt im Sommer.
  4. Bauphysik II: Die Werkhalle ist durch eine Holzkonstruktion gewölbt. Durch die Nutzung der Heizlüfter und die damit verbundenen physikalischen Effekte sammelt sich ein Großteil der erwärmten Luft innerhalb der Dachkonstruktion. Um dies zu vermeiden könnte unter der Holzkonstruktion eine Decke eingezogen werden, welche zum Einen allgemein das zu beheizende Volumen verringert und zum Anderen die erwärmte Luft besser im Bereich der Arbeitsplätze hält. Zusätzlich könnte/müsste die Beleuchtung abgehängt werden, was jedoch als positiven Nebeneffekt haben könnte, dass ggf. auf eine geringe Anzahl an Leuchten verzichtet werden kann.
  5. Bauphysik III: Die Wände "verschlucken" durch ihre farbliche Gestaltung Licht. Die Fenster sind nicht komplett gereinigt. In Summe kann weniger natürliches und künstliches Licht genutzt werden, es besteht ein Mehrbedarf an künstlicher Beleuchtung. In Teilen wird dies durch entsprechende unter dem Dach montierter reflektierender Platten ausgeglichen. Eine vollständige Weißfärbung bzw. regelmäßige Komplettreinigung der Fenster kann hier helfen.
  6. Bauphysik IV: Die Fenster an der Südseite der Werkhalle sind zweigeteilt. Nach Aussage vor Ort ist der Sonneneinfall vor allem im Sommer störend, da das Sonnenlicht direkt auf die Arbeitsplätze fällt. Moderne Jalousien können für Lichteinfall auf der einen Seite, auf der anderen Seite jedoch auch für Verschattung sorgen. Gleichzeitig wird dadurch im Sommer unnötiger Wärmeeintrag vermieden.
  7. Energieversorgung: Die installierte PV-Anlage liefert ungefähr die Hälfte der elektrischen Gesamtenergie, wobei knapp 45% der gewonnenen elektrischen Energie der PV-Anlage in das öffentliche Netz eingespeist werden. Der Selbstnutzungsgrad der Anlage sollte vergrößert werden. Dies kann zum Beispiel durch Speicher erfolgen.
  8. Smart Meter: Mit der aktuellen Energiebezugsmenge wird der Standort mittelfristig mit einem "SmartMeter" ausgerüstet werden (§ 29 MsbG). Durch eine verstärkte Nutzung des erzeugten PV-Stromes kann eine Umrüstung mit den entsprechenden Mehrkosten ggf. verhindert werden. Sollte dies nicht gelingen sollte darüber nachgedacht werden, über die Suche nach einem entsprechenden Messstellenbetreiber die Kosten für den "SmartMeter" zu reduzieren.
  9. Wärmeversorgung: Derzeit kommen neben einem Heizöl- vor allem ein Brennholzheizkessel zum Einsatz. Der Heizkessel für Brennholz könnte in wenigen Jahren aus technischer und finanzieller Sicht durch einen neuen Kessel ersetzt werden. Hierbei sollte überlegt werden, ob im Zuge der Neuinvestition über einen alternativen Energieträger (zum Beispiel Pellets) nachgedacht wird. Parallel sollte auch in Betracht gezogen werden, den Heizölkessel komplett außer Betrieb zu nehmen, ggf. sollte der Heizkessel als Notfallkessel vorgehalten werden. Die Größe des Speichers sollte in diesem Fall geprüft werden.
  10. Waschmaschine: Die aktuell eingesetzte Waschmaschine läuft vollständig elektrisch. Da sich die Waschmaschine in der Nähe der Warmwasserspeicher befindet, sollte bei Zwang einer Neuanschaffung darüber nachgedacht werden, auf eine Waschmaschine mit Warmwasseranschluss umzusteigen.
  11. Beleuchtung: In großen Teilen sind bisher eingesetzte Leuchtstoffröhren durch LED-Tubes ausgetauscht worden. Diese sind meist freihängend und ohne Reflektoren ausgestattet, so dass ein Teil des Lichtes verloren geht. Hier bietet sich eine nachträgliche Montage von Reflektoren an.
  12. Allg. Flächennutzung: Die Werkhalle ist von verschiedenen Räumlichkeiten umgeben, die aktuell keiner aktiven Nutzung unterliegen, die jedoch zumindest gemäß den Mindestanforderungen an die Bauphysik beheizt werden müssen. Das Raumnutzungskonzept könnte überdacht und ggf. Räume thermisch abgekoppelt werden.
  13. Undichtigkeiten Drucksystem: Verschiedene Maschinen mit Nutzung der Druckluft wiesen hörbar Undichtigkeiten auf. Diese führen den gesamten Tag über zu einem kontinuierlichen Druckverlust, der nacherzeugt werden muss. Die entsprechenden Stellen sollten abgedichtet werden. Allgemeine sollten erkannte Undichtigkeiten unverzüglich beseitigt werden.
  14. Systemische Betrachtung Energie- und Materialeinsatz: Auch wenn bereits viele Potenziale gehoben und betrachtet werden, so scheint viel Wissen nicht systematisch vorzuliegen. Eine systemische Herangehensweise, zum Beispiel im Rahmen eines kleinen Managementsystems gemäß SpaEfV kann Information gezielt zur Verfügung stellen und durch seine Regelmäßigkeit zu weiteren Ideen führen. Darüber hinaus kann es die Basis für eine Teilentlastung im Bereich der Stromsteuer bietet.

Gesamtbewertung

Für den Inhaber des Betriebs liegen einige interessante Potenziale vor. Mittels der vielfältigen Fördermöglichkeiten besteht die gute Möglichkeit in eine tiefergehende Beratung (z. B. "Energieberatung im Mittelstand") zu investieren, um anschließend weitere Förderungen für eine Umsetzung zu nutzen. In Summe sind die klassischen Energie-Einsparaktionen bereits in Angriff genommen und umgesetzt worden. Spannend bleiben die kleinen Details, vor allem in Bezug auf die Wärmeversorgung und die Raumnutzung.

kostenlose Impulsberatung für KMU

Die Impulsberatung für niedersächsische KMU bietet die Möglichkeit, eine Sammlung an Potenzialen hinsichtlich Material- und Energieeinsatz durch verifizierte Berater erstellen zu lassen. Die Beratung soll den Einstieg für eine längerfristige Partnerschaft hin zu mehr Material- und Energieeffizienz ermöglichen.

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