Rechtskataster

Energieaudit gemäß EDL-G

Die Durchführung des Energieaudits wie im folgenden beschrieben erfüllt die Anforderungen, die durch das BAFA[1] an das Energieaudit gestellt werden.

Ablauf Energieaudit

Grundsätzlich gelten die Vorgaben der DIN EN 16247, wobei es durch die Durchführungsverordnung zum Energieaudit gemäß EDL-G möglich ist, die Normteile 2 bis 4 wegzulassen und weitere Vereinfachungen zu nutzen, um ein repräsentatives und verhältnismäßiges Energieaudit zu gewährleisten. Zu den wesentlichsten Vereinfachungen gehört die Möglichkeit, 10% der gesamt eingesetzten Energie des zu auditierenden Unternehmens vom Audit auszuschließen. Desweiteren können Standorte mit gleicher Verbrauchsstruktur zusammengefasst und damit der Aufwand der Vor-Ort-Besuche (deutlich) reduziert werden. Mit der zweiten Durchführung des Energieaudits gemäß EDL-G (Durchführungsfrist bis 05.12.2019) erhalten Nicht-KMU zusätzlich die Möglichkeit ganze Unternehmensteile aus dem Energieaudit über die 90%-Regelung auszuschließen. Das Energieaudit gemäß EDL-G muss nach erstmaliger Durchführung spätestens nach vier Jahren erneut durchgeführt worden sein.

Der Ablauf der Energieberatung unterscheidet sich nicht wesentlich von der Ablaufdefinition eines freien Energieaudits. Die folgende Abbildung zeigt diesen Ablauf.

Darstellung Ablauf Energieaudit

Datenerfassung

Die Datenerfassung ist in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt sammelt der Auditor sämtliche Unterlagen mit Bezug zum Energieeinsatz. Dies sind im Wesentlichen die Energierechnungen, um sich einen Überblick über die Verteilung der Bezugsmengen, der Energiekosten und der sich daraus ergebenden CO2-Emissionen zu verschaffen. Nach Abschluss der Sammlung kann zum ersten Mal der Versuch von Ausschlüssen durchgeführt werden. Hierbei werden in erster Linie Standorte und Energieträger aus dem weiteren Verlauf des Energieaudits ausgeschlossen. Im Vorgriff auf den Außeneinsatz erfolgt sinnvollerweise in dieser Phase bereits der "Ausschluss" von Standorten, die nicht im Rahmen des Außeneinsatzes besucht werden (sollen). Hierzu werden, soweit möglich, Cluster von strukturell ähnlichen Standorten gebildet. Um die Repräsentativität des Energieaudits zu gewährleisten, braucht der Energieauditor lediglich die Anzahl an Standorten je Cluster zu besuchen, die sich aus der aufgerundeten Quadratwurzel der Anzahl an Standorten je Cluster ergibt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die nicht besuchten Standorte aus dem Energieaudit ausgeschlossen sind, sie werden lediglich nicht vom Auditor besucht.

Nach den möglichen Ausschlüssen erfolgt der zweite Abschnitt der Datenerfassung, welcher durch die Sammlung von Gerätelisten und Lagepläne sowie Schemata von Versorgungsanlagen der verbliebenen Standorte gekennzeichnet ist. Sinn und Zweck der Datenerfassung ist es, dass sich der Auditor ein Bild von der energetischen Situation vor Ort machen kann, ggf. ohne den Standort besucht zu haben. Die Datenerfassung erfolgt meist durch ein gemeinsames Projektteam, bestehend aus Mitarbeitern der Organisation und dem Energieauditor.

Außeneinsatz

Im Rahmen des Außeneinsatzes begeht der Auditor gemeinsam mit einem oder mehreren Mitarbeitern der Organisation den Standort und schaut sich alle Bereiche an, die auf Grund der Vereinbarungen zum Energieaudit gehören. Der erste Außeneinsatz dient meist einer allgemeinen Sichtung, um die vorliegenden Daten mit der realen Situation vor Ort zu vergleichen. Im Rahmen des Außeneinsatzes entscheidet der Auditor, welche Bereiche im Nachgang noch einmal genauer untersucht werden sollten. Auch kann bestimmt werden, wo und wie noch einmal Messungen zur Erhebung von Daten zu erfolgen haben.

Analyse

Mit den Informationen aus der Datenerfassung und den Erkenntnissen des Außeneinsatzes erfolgt durch den Auditor eine Analyse und der Versuch, erste konkrete Möglichkeiten für Einsparungen zu identifizieren. In Abhängigkeit von der Datenlage erfolgt in diesem Schritt die Planung weiterer Datenerhebungen (durch Organisation und/oder Auditor) sowie weiterer Besuche an einem oder mehrerer Standorte. Die Analyse inkl. weiterer Datenerhebungen und Außeneinsätze wird solange fortgesetzt, bis der Auditor alle notwendigen Informationen vorliegen hat, um die Ausgangssituation und Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz darstellen zu können.

Bericht und Abschlussbesprechung

Der Auditor fasst in einem Bericht die aktuelle energetische Situation zusammen und benennt die gefundenen Möglichkeiten für Einsparungen. Der Umfang des Berichtes ist abhängig von den zu untersuchenden Firmierungen und Standorten und den sich aus der Datenlage ergebenden Ausschlüssen. Auch die Wahl der verwendeten Wirtschaftlichkeitsmethoden im Zuge der Beschreibung von Effizienzmöglichkeiten kann durch die Organisation mitbestimmt und damit der Umfang des Berichtes vergrößert werden.

Im Rahmen der Abschlussbesprechung erfolgt die Übergabe des Berichtes sowie eine inhaltliche Vorstellung. Üblicherweise wird ein Entwurf des Berichtes dem Projektleiter auf Seiten der Organisation zur Verfügung gestellt, um allgemeine Anpassungen und Prüfungen vorzunehmen, so dass der Abschlussbericht im Rahmen der Abschlussbesprechung der Geschäftsführung übergeben werden kann.

Prüfung Bericht durch BAFA

Das BAFA prüft in seiner Aufgabe als Kontrollinstanz den Bericht formell gegen die Anforderungen. Das zur Durchführung eines Energieaudits verpflichtete Unternehmen hat dafür die entsprechenden Unterlagen nach Aufforderung durch das BAFA (und nicht pro-aktiv) über eine Online-Plattform zu übermitteln.

Nichterfüllung der Verpflichtung zur Durchführung

Die Nichterfüllung der Verpflichtung zur Durchführung eines Energieaudits gemäß EDL-G wird als Ordnungswidrigkeit gewertet. Dies bedeutet, dass bei jeder Prüfung durch das BAFA eine entsprechende Zahlung bei Nichterfüllung (auch bei Falschangaben gegenüber dem BAFA) in Höhe von bis zu 50.000 EUR entstehen kann. Nach Zahlung des Geldbetrages verfällt die Ordnungswidrigkeit jedoch nicht, so dass es unter Umständen dazu kommen kann, dass ein Unternehmen in einem Jahr mehrmals einen Bußgeldbescheid erhält. Auch ist eine sich jährlich wiederholende Prüfung (egal, ob Verpflichtung erfüllt bzw. nicht erfüllt) möglich, da das BAFA per Zufallsprinzip prüft.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Das BAFA verlangt vom zufällig ausgewählten Unternehmen eine Auskunft, ob das Unternehmen ein Nicht-KMU ist und damit unter die Verpflichtung fällt oder ob es ggf. eine Alternative zum Energieaudit realisiert hat.

Zeitaufwand

Die Dauer des Energieaudits ist in erster Linie von der Anzahl der Firmierungen und deren Standorten abhängig. Bei minimaler Anforderung gemäß BAFA-Merkblatt für ein Unternehmen mit einem Standort muss durchaus mit einem Zeitaufwand von 30 - 40h gerechnet werden. Hierbei wird jedoch der gesamte Standort betrachtet. Andere Zeitaufwände, vor allem bei deutlich erhöhter Anzahl an Firmierungen und/oder Standorten, sind jedoch möglich und müssen im Einzelfall konkret kalkuliert werden.

Vorteile für Unternehmen

Grundsätzlich erscheint vielen unternehmen das Energieaudit als lästige Pflicht. Neben der Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen aus dem EDL-G stellt das Energieaudit aber inhaltlich die Energieflüsse im untersuchten Unternehmen derart dar, dass sich dieses unter Zuhilfenahme der vorgeschlagenen Maßnahmen überlegen kann, in welchen Bereichen es die Energiekosten senken möchte. Darüber hinaus kann das Unternehmen nachweisen, sich mit dem Thema Energieeinsatz zu beschäftigen, was gerade für Zulieferer immer wichtiger wird, wenn die eigenen Produkte an Unternehmen geliefert werden, die ein Energiemanagementsystem (z. B. gemäß ISO 50001) implementiert haben und dadurch an die eigenen Lieferanten Anforderungen hinsichtlich der Energieeffizienz stellen ( und ggf. sogar stellen müssen). Nicht zuletzt kann es bei Nichtbeachtung der gesetzlichen Anforderungen zu einem Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000 EUR (jährlich) kommen. In den meisten Fällen zeigt sich die Durchführung eines Energieaudits als günstiger, zumal neben der Nichtzahlung des Bußgeldes der Anstoß zu weiteren Maßnahmen für Kostensenkungen in den Bereichen Energie und Material gelegt wird.

Materialeffizienz

Das Energieaudit geht vom Ansatz her deutlich von dem Energieeinsatz aus - das heißt aber auch, dass ggf. die Produktion mit berücksichtigt eine Betrachtung der Produktionsprozesse durchgeführt werden muss/kann/sollte. Somit kann das Energieaudit genutzt werden, um im Bereich der Produktion sinnvoll eingesetzt zu werden. Gleiches gilt analog auch für Spediteure und andere Dienstleister, die ihren Hauptenergieeinsatz nicht im Gebäude und der darin eingesetzten Gebäudetechnik haben.

Fragen zum Energieaudit?

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externe Links

[1] Webseite BAFA zum Energieaudit

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