Die ReNOB-Referenzen

Impulsberatung Material- und Energieeffizienz

Im Rahmen einer "Impulsberatung für KMU" interessierte sich eine soziale Einrichtung zur Betreuung von Jugendlichen für Effizienzpotenziale im Bereich Energie. Das Unternehmen hat mehrere Betreuungsstandorte sowie Geschäftsstellen in Niedersachsen. Gegenstand der Untersuchung war der größte Standort zur Betreuung.

gefundene Potenziale

Insgesamt konnten nach der Besichtigung und den Gesprächen mit dem Betreiber ein paar Potenziale identifiziert werden, die in einem nachgelagerten Schritt weiter geprüft werden sollen:

  1. Heizkessel Haupthaus: Derzeit kommen zwei mit Heizöl betriebene Heizkessel zum Einsatz, um das Haupthaus mit Wärme zu versorgen. Es besteht die Möglichkeit für einen Umstieg auf einen holzbasierenden Wärmeträger oder auf Erdgas (im Ort sollen entsprechende Leitungen verlegt sein). Der derzeitige Platz kann durch Entfernen der nichttragenden Zwischenwände für eine Neupositionierung der Heizkessel und der Speicher genutzt werden. Eine Anlieferung von holzbasiertem Wärmeträger ist möglich. Zusätzlich kann eine Vergrößerung des Pufferspeichers angedacht werden. Zusätzlich kommen noch nicht drehzahlgeregelte Pumpen zum Einsatz - hier bietet sich der Einsatz entsprechender moderner Pumpen an. Spätestens bei Erneuerung der Heizungsanlage ist auf den Einsatz von drehzahlgeregelten Pumpen zu achten - sofern dies nicht durch bestimmte Vorgaben gefordert wird.

  2. Warmwasseranschluss Waschmaschinen: In der Waschküche kommen derzeit rein elektrisch betriebene Waschmaschinen zum Einsatz. Durch die räumliche Nähe zum Heizungsraum könnte über einen Warmwasseranschluss nachgedacht werden.
  3. Fassade, Türen, Fenster: Die thermische Hülle ist in Teilen undicht. Hier vor allem die Haupteingangstüren und Teile von Fensterrahmen. Undichtigkeiten sind auch im Dach (siehe Punkt 10) zu finden. Undichte Fenster und Türen sollten durch entsprechend dichte und den EnEV-Anforderungen entsprechende Elemente ersetzt werden. Gegebenenfalls sollte in stark betroffenen Bereichen über bruchsicheres Glas als Sonderoption nachgedacht werden, um die Anzahl an Reparaturen und Ersatzinvestitionen sowie entsprechende temporäre thermische Einflüsse von außen zu verringern.
  4. Kühlschränke und TK-Geräte: Die Temperatur der Kühlschränke wird täglich aufgezeichnet. Daraus ist ersichtlich, dass die durchschnittliche Temperatur zwischen 3° und 8° C schwankt. Sofern Messungenauigkeiten ausgeschlossen werden können, sollten die Kühlschränke nicht kälter als 7° C eingestellt sein. Die TK-Geräte werden durchschnittlich 2 Mal je Jahr enteist. Im Rahmen der Besichtigung wurde bei einem Gerät gerade eine Enteisung durchgeführt - dabei zeigte sich, dass die Gitterböden komplett mit Eis bedeckt waren/sind. Beim zweiten TK-Gerät zeigte sich weniger Eisbildung, hier sind die Gitterstäbe selbst jedoch schon mit Eis bedeckt. Spätestens in diesem Zustand wäre eine Enteisung sinnvoll. Die Planung kann im Rahmen der Befüllung erfolgen, so dass die Geräte nicht zusätzlich geleert und gefüllt werden müssen.
  5. Bauphysik: Der Nebenraum zeigt um das Fenster herum Bauschäden, in Form von sich bildendem Schimmel. Dies muss beobachtet und entsprechende Gegenmaßnahmen gestartet werden. Dies kann über Fenstertausch, Dämmung bis hin zu einer entsprechenden Temperierung und/oder Lüftungsanlage reichen.
  6. Lüftungsanlage: Vor allem in der Küche fällt durch den Kochbetrieb (bis zu 2 Mal täglich) und den mehrmaligen Einsatz der Spülmaschine am Tag eine hohe Menge an Wasserdampf an. Aktuell wird dieser durch Kipplüftung aus dem Raum entfernt. Vor allem an kalten Tagen (an denen geheizt werden muss) stellt dies jedoch auch aus Sicht der Baupyhsik keine gute Lüftungsmethode dar. Hier könnte über eine Lüftungsanlage (halbautomatisch und mit Wärmerückgewinnung) nachgedacht werden. Sofern keine Lüftungsanlage zum Einsatz kommen soll, so ist ein Umstieg auf Stoßlüftung zu empfehlen.
  7. Heizkörper: In der Küche befindet sich der Heizkörper zu einem Großteil unter dem Essenstisch. Während der Heizperiode und damit verbundener Nutzung des Heizkörpers wird die Wärme nur über den Umweg der Tischplatte in den Raum geleitet. Dadurch haben die am Tisch sitzenden Personen ggf. zwar ein Wärmegefühl, die Wärmeverteilung im Raum selbst ist jedoch nicht optimal. Der Tisch könnte verschoben werden, ggf. müsste unter Umständen ein geringfügig kleinerer Tisch zum Einsatz kommen.
  8. Außenhülle/thermische Hülle: Das Haupthaus ist im Fachwerkstil erbaut. Unter Berücksichtigung der gefundenen Schwachstellen und der Bauschäden sollte über eine Neukonzeptionierung der Außenhülle unter Hinzunahme von Außen-/Innendämmung nachgedacht werden. Um den optischen Charakter zu bewahren wäre in Teilen eine Innendämmung notwendig, diese kann aber zu einer unangemessenen Verringerung der Wohnbereiche führen - dies ist bei einer genaueren Prüfung/Planung bei der Auswahl des Systems und der Dämmmaterialien zu berücksichtigen. Zudem ergäbe sich unter Umständen auch eine Anpassung der Heizkörperpositionen an den entsprechenden Wänden.
  9. Beleuchtung: Derzeit kommen alte Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen, in Teilen auch schon LED-Leuchtmittel zum Einsatz. Leuchten mit einer hohen Nutzungsdauer könnten kurzfristig auf LED-Leuchten umgestellt werden (hier vor allem im Bereiche der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten). Ansonsten empfiehlt sich, den bereits begonnenen, kontinuierlichen Umstellungsprozess auf LED-Leuchtmittel fortzuführen.
  10. Geschossdecke/Dach Haupthaus: Die Besichtigung des Dachbodens ergab, dass die Geschossdecke zum einen in Teilen undicht ist, zum anderen die ggf. eingebaute Dämmung keine wirkliche Funktion aufweist. Gleiches gilt auch für die Dachschrägen. Die Geschossdecke sollte als neue thermische Hülle gedämmt werden um den Wärmeverlust über das Dach zu begrenzen.
  11. Heizung Nebenhaus: Analog zur Heizungsanlage im Haupthaus besteht die Möglichkeit der Umstellung auf eine neue Heizung gemäß Punkt 1). Vorteilhaft beim Gebäude Nebenhaus ist der geringe Abstand des Daches zur Heizung, so dass bei einer thermischen Solarnutzung mit geringeren Leitungslängen zu rechnen ist. Eine Verringerung der Verschattung durch naheliegenden, südlichen Baumbewuchs sollte ebenfalls geprüft werden, um gerade im Winter morgens einen Anstieg des Solarwirkungsgrades zu ermöglichen.
  12. Hydraulischer Abgleich: Nach Aussage des verantwortlichen Mitarbeiters vor Ort, ist das Heizverteilsystem mit hoher Sicherheit nicht hydraulisch abgeglichen. Aufgrund der großen Leitungslängen sollte ein entsprechender hydraulischer Abgleich vorgenommen werden. Im Zuge einer Neurealisierung der Heizungsanlage sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der hydraulische Abgleich durchgeführt wird (er wäre dann ggf. auch vorgeschrieben).
  13. Solare Nutzung: Sämtliche Gebäude bieten eine große Fläche für solare Nutzung - sowohl thermisch, als aus elektrisch. Es sollte geprüft werden, welches Verhältnis zwischen thermischer und elektrischer Nutzung den größten ökologischen bzw. ökonomischen Vorteil bringt.
  14. Anschluss an das öffentliche Netz Strom: Derzeit gibt es mehrere Stromzähler, die keinem genauen Gebäude(teil) zugewiesen werden können. Im Zuge des ggf. realisierten Anschlusses von PV-Modulen zur Eigenstromversorgung könnte (zusammen mit dem Netzbetreiber) geprüft werden, ob ein Zusammenlegen der Stromzähler möglich ist. Hierbei wäre die Gesamtbezugsmenge und die Verpflichtung zum Einbau eines SmartMeters gem. § 29 MsbG zu berücksichtigen.

Gesamtbewertung

Für den Inhaber der Anlage liegen interessante Potenziale vor. Mittels der vielfältigen Fördermöglichkeiten besteht die gute Möglichkeit in eine tiefergehende Beratung (z. B. "Energieberatung im Mittelstand") zu investieren, um anschließend weitere Förderungen für eine Umsetzung zu nutzen. In Summe liegt bereits ein hohes Bewusstsein für Einsparpotenziale vor, welches im Nachgang in eine Umsetzung gebracht werden sollte.

kostenlose Impulsberatung für KMU

Die Impulsberatung für niedersächsische KMU bietet die Möglichkeit, eine Sammlung an Potenzialen hinsichtlich Material- und Energieeinsatz durch verifizierte Berater erstellen zu lassen. Die Beratung soll den Einstieg für eine längerfristige Partnerschaft hin zu mehr Material- und Energieeffizienz ermöglichen.

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